Sie ängstigen und faszinieren zugleich

Wann ich angefangen habe mich für Serienmörder zu interessieren weiß ich nicht mehr. Wieso ich sie interessant finde weiß ich dafür umso besser: Der Gedanke jemanden zu töten, zu ermorden also, schreckt ab. Gleichzeitig – und da bin ich ehrlich – habe ich mich schon immer gefragt, wie sich das wohl anfühlen mag. Serienmörder sind genau diese Personen die das wissen. Sie begehen das schlimmste Verbrechen, das man begehen kann – und zwar mehrfach.
Und ein kleines Geständnis noch gleich hinterher: Besonders fasziniert mich der US-amerikanische Serienmörder Jeffrey Dahmer, der genau heute, am 21.Mai, 75 Jahre alt geworden wäre.

Eckdaten
Titel: „Das Hannibal-Syndrom – Phänomen Serienmord“
Autor: Stephan Harbort
Verlag: Piper VerlagGmbH, München
Erscheinungsjahr: erstmals erschienen in 2003, vorliegende Ausgabe aus 2014
ISBN: 978-3-492-23650-8
Preis: 9,99€

Hannibal Snydrom

Jeder von uns kann wohl mindestens einen Serienmörder beim Namen nennen und fast jeder wird sicherlich das ein oder andere Gesicht im Kopf haben, wenn ich jetzt Männer wie Charles Manson, Richard Ramirez, Ted Bundy, John Wayne Gacy oder Jeffrey Dahmer erwähne. Es fällt auf, dass alle diese Männer US-Amerikaner sind. Dabei ist Serienmord kein amerikanisches Phänomen. Auch hier in Europa gibt und gab es viele Männer und Frauen, die mehrfach getötet haben. Da wären zum Beispiel Alexander Jurjewitsch Pitschuschkin und Andrei Romanowitsch Tschikatilo aus Russland, Anatolij Onoprijenko aus der Ukraine, Michel Fourniret und Joseph Vacher aus Frankreich, Harold Shipman und Robert Black aus Großbritannien, Roger Andermatt aus der Schweiz, Donato Bilancia aus Italien und viele weitere. Man sollte also nicht auf die Idee kommen zu behaupten Serienmord käme nur in den USA vor. So ist es keineswegs. Es mag einem durch Serien wie „Criminal Minds“ vielleicht so vorkommen und wenn man vom Serienmord redet werden meistens US-amerikanische Mörder genannt, aber wir sollten nicht vergessen, dass es auch hier genau solche Verbrecher gibt, die nicht davor zurück schrecken mehrere Menschen zu töten, ihnen das Leben zu nehmen und die Angehörigen ins Unheil zu stürzen.

Stephan Harbort geht in seinem Buch „Das Hannibal-Syndrom“ auf viele unterschiedliche Serienmörder in Deutschland der Nachkriegszeit ein. Wir lernen Menschen kennen, denen wir im Normalfall keine Beachtung schenken würden hätte sie nicht eines getan: in Serie gemordet. Karl Grohlmann, Thorsten Rupp, Knut Storbeck, Jürgen Knoll, Harald Schmalz. Das sind nur einige wenige Männer, die in Harborts Buch behandelt werden. Männer, die getötet haben und dabei die unterschiedlichsten Motive hatten. Bei dem einen war es einfach das Interesse an der menschlichen Anatomie, das überhand genommen hat. Bei dem anderen wiederum war es der Kick einen Menschen sterben zu sehen. Beim Dritten wiederum ging es einfach darum lästige Personen aus dem Weg zu haben. Die meisten verspürten ein „seltsames Kribbeln“ oder „einen inneren Willen“. Sie mussten töten. Mord hat viele Motive und dennoch bleibt ein Mord eben ein Mord. Man nimmt einem anderen Menschen das Leben.

Wir bekommen einen Einblick in die Denkweise der Männer und Frauen, erfahren, wie und wen sie getötet haben, erleben die Polizeiarbeit mit. Wir lernen vieles über die Herangehensweise der Gesetzeshüter im Falle eines Mordes und schließlich auch eines Serienmordes. Krimiserien verschaffen uns ein falsches Bild von Profilern und dem „psychopathischen Mörder“. Allerdings sollte uns das klar sein.
Stephan Harborts Buch arbeitet selten mit Fachbegriffen und wenn werden diese erklärt, wir fühlen uns zu keinem Zeitpunkt überfordert – jedenfalls nicht, was die Sprache betrifft.
Man sollte dieses Buch wirklich nur dann lesen, wenn man sich wirklich mit Serienmördern und ihren Geschichten auseinandersetzen möchte und es auch verkraften kann Dinge zu lesen, die wir uns nicht einmal im Traum ausmalen möchten. Zartbesaitete sollten also zu einem Liebesroman greifen.

In 15 Kapiteln lernen wir rund 20 deutsche Serienmörder kennen. Mit manchen hat Harbort auch persönlich gesprochen und Auszüge aus diesen Treffen finden sich im Buch wieder. Mit anderen herrschte Briefkontakt und andere wollten sich überhaupt nicht äußern. Dennoch erfahren wir sehr viel über die Person hinter dem Serienmörder. Die Kindheit und Jugend wird beleuchtet, der schulische und berufliche Werdegang spielt nicht selten eine Rolle. Die ersten Anzeichen einer gewissen – meist sexuellen – Abnormität werden beschrieben. Erschreckend ist, dass viele Serienmörder schon viel früher hätten gefasst werden können. Einige von ihnen wurden bereits durch andere Straftaten auffällig. Dennoch ist klar, dass man nicht in den Kopf eines Menschen hineinsehen kann.
Interessant ist obendrein auch, dass die wenigsten Serienmörder – die Zahl geht verschwindend gen 0 – überdurchschnittlich intelligent sind. Dabei denkt man doch oft, dass gerade diese Leute einen höheren IQ aufweisen müssen. Wie sonst können sie teilweise jahrelang ungestört morden und keine auf sie zurückzuverfolgenden Spuren hinterlassen? Die Lösung ist so einfach, wie auch brillant: Glück und Anonymität. In unserer heutigen Zeit achtet keine mehr wirklich auf seinen Mitmenschen. Ja, könnten wir sagen was unser Nachbar, dem wir jeden Tag im Hausflur begegnen in seiner Freizeit tut? Könnten wir sagen, wieso der Arbeitskollege so still ist und lieber für sich bleibt?
Serienmörder fallen durch ihre Unauffälligkeit auf. Sitzen sie im Gerichtssaal würde man nicht vermuten einen Mörder vor sich zu haben. Sie sehen ganz normal aus, wie du und ich. Sie haben keinen wahnsinnigen Blick. Sie wirken nicht wie Psychopathen (sieht man von ein paar Einzelfällen ab).

Stephan Harbort arbeitet mit Statistiken, Zahlen, Daten, Fakten. Der gesunde Menschenverstand versucht zu erklären wie ein Mensch auf die Idee kommen kann einen anderen Menschen zu töten. Wir lesen von Personen, die wir alle kennen könnten und die ein mehr als dunkles Geheimnis haben.
Deutschland, das Land der Dichter und Denker – und der Serienmörder.

Herr Voland

Kurzer Einblick in das nächste Buch
Titel: „100 things Red Sox fans should know & do before they die“
Autor: Nick Cafardo
Klappentext:
„Most Boston Red Sox fans have taken in a game or two at Fenway Park, have seen highlights of Bill Buckner´s Game 6 nightmare, and have heard the story of Carl Yastrzemski´s Triple Crown season. But only real fans have visited McCoy Stadium in Pawtucket, can recite all the lyrics to „Tessie“, or know which 12 Red Sox players have won American League batting titles.
100 things Red Sox fans should know & do before they die is the ultimate resource guide for true fans of the Boston Red Sox. Whether you´re a die-hard booster from the days of Ted Williams or a recent supporter of Terry Francona, Dustin Pedroia, and Kevin Youkilis, these are the 100 things all fans need to know and do in their lifetime. Longtime Boston sportswriter Nick Cafardo has collected every essential piece of Red Sox knowledge and trivia, as well as must-do activities, and ranks them all from 1 to 100, providing an entertaining and easy-to-follow checklist as you progress on your way to fan superstardom.“

Ich und Mathematik

Eckdaten
Titel: „Homers letzter Satz – Die Simpsons und die Mathematik“
Autor: Simon Singh
Verlag: dtv
Erscheinungsjahr: Vorliegende Ausgabe aus 2015, erstmals erschienen in 2013
ISBN: 978-3-423-34847-8
Preis: 9,90€

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In der Schule war ich bis zur vierten Klasse wirklich gut in Mathe. Dann kam die weiterführende Schule und die Noten gingen in den Keller. Genau wie die Zahlen immer größer wurden, so wurden auch die Zensuren – im Wert jedenfalls – höher. Eine 5 auf dem Giftblatt war also keine große Sache. Ich bin trotzdem sehr gut durchgekommen, habe mein Abitur gemacht und Mathe fast vollständig aus meinem Leben verbannt. Aber dann sprang mir etwa Anfang des Monats dieses Buch in die Augen, als ich mal wieder auf einen Zug am Düsseldorfer Hauptbahnhof warten musste und mir die Zeit im Buchladen „Grauert“ vertrieben habe. Ich bin großer Fan der Simpsons, verschlinge alles, was ich über die Zeichentrickserie mit der gelben Kultfamilie finde und so hat mich auch das mathematische Thema nicht abgeschreckt.

Das Buch ist wirklich gut geschrieben. Es beweist, dass Mathe witzig sein kann, wenn man sich nur ein bisschen auf die ganze Materie einlässt. Und so schwer ist es gar nicht. Ich bin gut durchgekommen, trotz meiner Abneigung dieses Faches gegenüber, und konnte fast alles auf Anhieb verstehen. Bei manchen Dingen sollte man eventuell zwei- oder dreimal nachlesen, aber im Großen und Ganzen kommt man sehr gut mit dem Geschriebenen klar, muss sich nicht all zu sehr anstrengen und kann alles nachvollziehen, was Simon Singh in seinem Buch schildert, beweist und zeigt.

In der Kultserie „Die Simpsons“ gibt es viele versteckte und auch offensichtliche mathematische Gags, die Singh in seinem Buch aufgreift. So beispielsweise eine meiner absoluten Lieblingsfolgen, in der Lisa zum neuen Trainer von Barts Baseballmannschaft wird und mit Hilfe von Statistiken fast Juniormeister wird. Oder auch Homers glorreiche Erfinderstunden und seiner Theorie des Donut-Universums. Wir lernen die Mathematik von unterschiedlichen Arten kennen, driften auch mal in die Physik und Informatik ab und erfahren viele Hintergrundinformationen über die erfolgreichste Familie im TV und deren Autoren von denen erstaunlich viele einen Abschluss in Mathematik, Informatik oder Physik haben.

Für einen Laien, der die Mathematik schon in der Schule aufgegeben hat ist das Buch definitiv gut zu verstehen. Wer sich außerdem mit den Simpsons beschäftigt sollte ebenso keine großen Probleme haben in die ganze Materie einzusteigen. Ich kann das Buch definitiv jedem echten Simpsons Fan empfehlen, der sich mit den naturwissenschaftlichen Gags und den Autoren etwas genauer auseinandersetzen möchte. Als kleinen Leckerbissen hat der Autor auch noch die Schwesternserie „Futurama“ eingebracht, welcher am Ende auch noch ein paar Kapitel gewidmet sind.

Ein Muss für Simpsons Fans und echte Geeks bzw. Nerds!! Das Buch ist, meiner Meinung nach zu Recht, auf meine Favoriten-Liste gelandet!

Herr Voland

Kurzer Einblick in das nächste Buch
Titel: „Passagier 23“
Autor: Sebastian Fitzek
Klappentext:
„Denken Sie an einen Ort ohne Polizei.
Eine Kleinstadt, aus der Jahr für Jahr Dutzende Menschen verschwinden.
Spurlos.
Der Ort für das perfekte Verbrechen.
Herzlich willkommen auf Ihrer Kreuzfahrt!“

Welttag des Buches

Heute ist der Tag der Tage. Heute ist der Tag an dem wir eine der tollsten Erfindungen der vergangenen Jahre lobpreisen wollen. Heute ist der Welttag des Buches.
Welch Unhold wär´ ich, wenn ich diesen Tag nicht besonders ehren würde.

Ich muss wohl nicht extra betonen, wie wichtig mir Bücher sind, wie sehr sie mein Leben beeinflussen und, dass ich sie nie wieder missen möchte. Meiner Meinung nach sollte jeder Mensch die Möglichkeit haben ein Buch lesen zu können – in facto bedeutet das, dass jeder Mensch lesen lernen sollte, nicht wahr?
Lesen ist eine wunderbare Sache. Wir tauchen ab in Welten, die wir in unserer Phantasie gestalten können wie wir es wollen. Das Buch dient uns als Vorlage, setzt uns aber keine zu detaillierten Bilder in den Kopf. Wir haben die Möglichkeit alles so zu formen, wie wir es uns selbst vorstellen, wir können den Charakteren Stimmen verleihen, eine persönliche Bindung zu ihnen aufbauen, uns wünschen Plätze zu besuchen, die nur in der Buchwelt existieren – es sei denn natürlich wir bewegen uns an realen Orten natürlich. Wie oft war ich schon in Hogwarts, Mittelerde, im viktorianischen England, in Kleinstädten und Metropolen Amerikas und so weiter.

Heute ist nicht nur Welttag des Buches. Nein, er rundet sich auch und wird heute stolze 20 Jahre alt. Nächstes Jahr darf man mit diesem Tag in fast jedem Land der Erde einen trinken gehen. Das nehme ich mir doch gleich mal vor, schnappe mir eines meiner Lieblingsbücher und werde mich in einen Pub setzen. Ein schönes kühles Guinness hat noch nie geschadet, sage ich immer so schön. Aber bis dahin muss erst noch ein weiteres Jahr ins Land ziehen und wir wollen dem Welttag des Buches heute erst einmal zum 20. Geburtstag gratulieren.
Also:
Alles Gute zum Geburtstag, Welttag des Buches!!! Ich liebe dich.

Ich denke nicht, dass ich noch extra betonen muss, dass wir heute besonders viel lesen sollten. Am besten greift sich jetzt jeder ein Buch, setzt sich auf die Couch, legt sich ins Bett oder begibt sich an einen beliebigen Ort seiner/ihrer Wahl und liest drauf los.
Jetzt!
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GO!

Herr Voland

P.S.: Wieso sehe ich kein Buch in Deiner Hand?!

„Etwas ist in der Dunkelheit und beobachtet mich.“

Mittlerweile sollte ja bekannt sein, dass ich ein Freund von Horrorromanen und insbesondere Geister- und Gespenstergeschichten bin. So suche ich oft nach dem einem neuen fingernägelkauenden gänsehautbringenden Nerventöter, um mich mal so richtig zu gruseln und nachts das Licht eingeschaltet lasse – was bisher leider nie der Fall war. Meine Streifzüge bringen mich meistens in den Buchladen meines Vertrauens oder auch mal auf so unkoschere Händlerseiten wie Amazon, auf der man ein paar Empfehlungen erhält, wenn man sich mal ein Büchlein bestellt. So war es auch mit Oliver Susamis „S3“. Ich kann leider nicht mehr sagen welches Buch ich mir ausgesucht habe, weswegen ich „S3“ als Empfehlung bekommen habe, aber das ist auch überhaupt nicht von Belangen. Wichtig und auch richtig ist und war, dass ich dieses Buch schließlich auch auf die Wunschliste gesetzt habe – und wie es der Zufall so wollte bekam ich es auch zu Weihnachten geschenkt. Ein Hoch auf die moderne Technik und die Möglichkeit Amazon-Wunschlisten mit Freunden und Familie zu teilen.

Eckdaten
Titel: „S3“
Autor: Oliver Susami
Verlag: Amazon Distribution, Leipzig
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN: 9781481079341
Preis: 8,99€

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Kurz zum Buch:
Im Grunde ist die ganze Story recht schlicht und auf den ersten Blick vielleicht nichts Weltbewegendes. Wir verfolgen den Autor in der Ich-Perspektive, wie er zu Beginn einen Gesprächsfetzen zweier Studentinnen mitbekommt, die sich über seltsame Begebenheiten im untersten Geschoss der Uni-Bibliothek unterhalten. Er hat schon mehrere Geschichten über „Unheimliches“ aus S3 gehört und beschließt daraus einfach ein kleines Projekt zu machen. Flyer sind schnell ausgedruckt und auf dem Campus verteilt und es dauert auch nicht lange bis sich die ersten Leute melden, die etwas zu berichten haben. Das Ganz nimmt so langsam Fahrt auf und – neben dem ein oder anderen Scherzbold natürlich – der Ich-Erzähler, Oliver Susami selbst, hat schnell ein paar interessante Interviews gesammelt. Alle erzählen von rund auf verschiedenen Begebenheiten der Ereignissen. Während einer Studentin fast liebevoll über den Kopf gestreichelt wurde hat es der andere im Männer-Klo mit Klopfen, einem heftigen Knall und dem starken Gefühl einer Präsenz zu tun. Andere werden an eine Wand gedrängt, es werden Bücher aus den Händen gerissen oder eine Flasche bewegt sich. Bilder verschwinden aus Geldbörsen, man hört schweres Atmen und Schritte. Doch niemals ist irgendjemand da. Auf S3 ist man abends und nachts ungestört, es ist, als wäre die ganze Außenwelt ausgesperrt, fast kein Tageslicht dringt hinein und lediglich das Rauschen der Lüftung könnte man als nennenswerte Geräusche erwähnen. Vielen ist dort unten unheimlich, viele spüren, dass dort etwas ist, das sie nicht erklären können. Es spukt.
Oliver Susami geht dem nach und beschließt zum Ende hin selbst ein paar Nächte auf S3 zu verbringen (Spoiler: Was er mal lieber nicht getan hätte, denn auch er wird in der dritten Nacht Opfer übernatürlicher Ereignisse. Er fühlt eine Präsenz, ihm wird schwindelig, schwarz vor Augen, wird in einen Raum gedrängt und spürt, dass er beobachtet wird. Er sieht außerdem einen grauen Mann nur ein paar Meter neben sich sitzen, der nur wenige Sekunden später verschwindet.)

Was passiert ist klar: Wir haben es hier mit einer Spukgeschichte zu tun, die man vielleicht schon kennt – oder wenigstens Teile davon. In den meisten Geistergeschichten ist von einer unheimlichen und unsichtbaren Präsenz die Rede, nicht selten wird man angefasst oder es fliegen Gegenstände durch die Gegend. Was macht „S3“ von Oliver Susami also so besonders? Dazu möchte ich zunächst auf den Handlungsort hinweisen. Ich selbst war auch Student und kann bestätigen, dass eine Uni-Bibliothek zu späten Stunden sehr gruselig sein kann. Ich hatte allerdings das „Glück“ – wenn man es so nennen möchte – dass es in meiner kein Untergeschoss gab. Es gab nur das Erdgeschoss und drei Obergeschosse. Hätte es einen Keller gegeben in dem sich auch noch Bücherregale befunden hätten wäre der wohl mein Anlaufpunkt für Grusel und Nervenkitzel gewesen. Das es in einer Universität spukt ist meiner Meinung nach kein Aspekt einer „üblichen“ Geistergeschichte. Und das sich der Spuk auf den unteren Bereich beschränkt fand ich bereits sehr interessant. Hier geht also kein Geist auf dem Campus um, sondern nur auf S3.
Zudem hat mich die Erzählweise sehr fasziniert. Eigentlich bin ich kein großer Freund der Ich-Perspektive und ich vermeide in der Regel Romane oder Erzählungen, die in diesem Format geschrieben wurden, aber hier war das etwas anderes. Da sich das gesamte Buch wie ein Erfahrungsbericht, eine Facharbeit oder auch Dissertation aufgebaut hat hat mich die Ich-Perspektive überhaupt nicht gestört. Ganz im Gegenteil sogar, sie war mehr als erfrischend und passend. Man bekommt einen direkten Bezug zu Geschehen und erlebt praktisch alles aus erster Hand.
Oliver Susami verwendet weiterhin Interviews, die er auf Tonband aufgenommen und schließlich Wort für Wort abgetippt hat. Auch hier haben wir wieder den Eindruck eine wissenschaftliche Arbeit vor uns liegen zu haben und zeitgleich kommt es und vor, als wären wir der Interviewer oder aber säßen direkt neben den Probanden.
Durch die Skizze auf den ersten Seiten, die S3 zeigt, haben wir ein sehr gutes Bild von diesem Teil der Bibliothek und wir können jedem Schritt folgen, den Oliver oder seine „Zeugen“ macht oder gemacht haben. Die Charaktere wirken allesamt authentisch, real, wie ein Nachbar oder Bekannter. Die Erzählweise ist erfrischend. Wir werden nicht mit nutzlosen Details erschlagen, alles beschränkt sich auf das wirklich wichtige. Teilweise hatte ich auch den Eindruck eine gut recherchierte Geisterdoku mitzuverfolgen, als würde ich gerade einen interessanten YouTube-Kanal gefunden haben, der mich mit dem füttert, was mich interessiert: Übersinnliches, Geister, Spuk. Perfekt.

Zugegeben. Auch „S3“ von Oliver Susami hat mich nicht vor Angst schlottern lassen und ich werde auch ruhig schlafen können und noch viele Bibliotheken in meinem Leben besuchen – und wenn die dann Keller haben werde ich mit Freuden hinunter steigen. Aber es gab die ein oder andere Stelle bei der ich dachte: Wow, ja, ja genau so stelle ich mir das vor. Die Ereignisberichte sind realistisch, nichts, von dem man denkt es entspringe einer lebhaften Fantasie. Wir haben hier einen Tatsachenbericht, der sich mit Fakten und Zeugen rational auseinandersetzt. (Spoiler: Bis wir zum Ende kommen und der gute Oliver Susami endlich auch etwas übersinnliches erfährt.)

Herr Voland

Kurzer Einblick in das nächste Buch
Titel: „Wer ist Jeffrey Dahmer – Das schockierende Portrait des Milwaukee-Mörders“
Autor: Robert J. Dvorchak und Lisa Holewa
Klappentext:
„Mit seiner Verurteilung im Februar 1992 ging einer der schaurigsten Prozesse der amerikanischen Rechtsgeschichte zu Ende: Jeffrey Dahmer hatte die Ermordung und grausame Zerstücklung von siebzehn jungen Männern gestanden. Bei seiner Verhaftung waren im Kühlschrank seines Apartments mehrere Schädel entdeckt worden.
Jeffrey Dahmer ist verurteilt, aber der Fall hinterlässt viele Fragen:
Wer ist dieser Mann, der auf die meisten seiner Opfer harmlos, ja nett wirkte?
Was trieb Dahmer zu seinen unfassbaren Taten an?
Warum hat die Polizei ihn – trotz zahlreicher Verdachtsmomente – nicht schon lange vorher gestoppt?
Robert J. Dvorchak und Lisa Holewa, zwei der angesehensten Reporter Amerikas, durchleuchten den Fall Dahmer, seine psychologischen Verästelungen und politischen Folgen.“

„Ein Jucken spür‘ ich, ganz verstohlen. Das Böse kommt auf leisen Sohlen“

Eckdaten
Titel: „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“
Autor: Ray Bradbury
Verlag: Diogenes Verlag
Erscheinungsjahr: Vorliegende Ausgabe aus 1981, erstmalig erschienen in 1962
ISBN: 978-3-257-20866-5
Preis: 9,90€

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Ich hatte schon öfter ein Buch von Ray Bradbury in den Händen und war immer fasziniert von seiner Art mit Worten und Beschreibungen zu spielen. In „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ beweist er sein Geschick mal wieder und lässt mich in eine Welt abtauchen, die einem Tim Burton Film ähnelt.

Ganz kurz zur Story:
Die Jungen William und Jim beobachten des nachts, wie ein schwarzer Zirkus in ihre Stadt kommt. Bereits das Aufbauen des Zeltes gruselt sie und lässt nichts Gutes erahnen. Die Schausteller und Artisten sind allesamt Schreckensgestalten. Da hätten wir beispielsweise ein wandelndes Skelett, eine Staubhexe und später auch Mr.Elektriko. Die Besitzer Mr.Dark und Mr.Cooger beweisen bereits bei ihrem ersten Auftreten, dass mit ihnen nicht zu spaßen ist. Mr.Dark – der Illustrierte Mann – wirkt auf mich wie eine Art Teufel oder Dämon, Mr.Cooger wie ein schrecklicher Gehilfe, der unglaublich stark und erbarmungslos ist.
Mr.Dark besitzt ein Karussell, das besondere Kräfte hat. Fährt man darauf vorwärts altert man bei jeder Runde um ein Jahr. Fährt man rückwärts verliert man mit jeder Runde ein Jahr. Jim ist fasziniert, Will eher entsetzt.
Nachdem die beiden Jungen beobachten, wie Mr.Cooger auf dem Karussell ungewollt immer älter und älter wird und fast stirbt sind sie auf der Flucht vor den Zirkusleuten. Mr.Dark ist ihnen auf den Versen und hat seine Armee Schreckensgestalten im Rücken…

Ray Bradbury fasziniert mich in „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ mit seinem Talent Menschen (oder vermeintliche Menschen) zu beschreiben und Situationen so realistisch wie nur irgend möglich darzulegen, obwohl sie einem abwegig erscheinen. So haben wir bereits beim Aufbau des Zirkuszeltes ein unwirkliches und doch wirkliches Bild vor Augen. Wenn die Planen durch den schwarzen Himmel segeln und die Wagen praktisch zum Leben erwachen haben wir das Gefühl in einem Tim Burton Film gelandet zu sein. Und das hört nicht auf.
Persönlich sehr angetan war ich von der Beschreibung des Mr.Dark, der gleich zu meinem Lieblingscharakter avanciert ist. Eventuell sollte ich mir mal Gedanken darum machen, wieso mir ausgerechnet immer die bösen Antagonisten gefallen, die Ähnlichkeiten mit der Personifizierung des Teufels haben. Aber dazu irgendwann einmal mehr.
„Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ ist kein neues Werk, ist dennoch ein modernes Buch, eine niemals alte Geschichte und weckt auch aktuelle Ängste. Wer hat nicht schon einmal daran gedacht entweder das ein oder andere Jahr überspringen zu können? Oder gerne noch einmal Kind sein? Alles ist möglich, wenn man sich an Mr.Dark wendet und gleich dabei noch seine Seele los werden möchte. Gar kein Problem. Verärgert man den guten Mann jedoch muss man mit seinem Zorn leben und das eigene Portrait landet eintätowiert auf seinen Handflächen, wird zu seiner Marionette.
Zum Glück gibt es Väter, die viel wissen und immer mehr wissen wollen und ihren Söhnen noch glauben. So auch Charles Holloway, der seinem Sohn Will die Geschichte vom schrecklichen Zirkus und Mr.Dark abkauft, der weiß, wie sich die Jungen fühlen und versucht sie zu retten, sich dabei selbst in aller größte Gefahr bringt und alles aufs Spiel setzt. (Spoiler: Und schlussendlich mit einem Lachen im Gesicht siegt. Wortwörtlich.)

Kurzum „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ ist ein Horrorroman der etwas anderen Sorte und sollte gelesen werden, wenn man in eine abstrakte Welt der Zirkusleute, Übersinnlichkeiten und und Horrorvorstellungen tauchen möchte. Bradburys Geschick mit Worten umzugehen, perfekt zu beschreiben und einem Bilder in den Kopf zu setzen, die wir nicht mehr so schnell los werden macht den Roman noch vielschichtiger, einprägsamer, lesenswerter.
Ich bin jedenfalls großer Fan und rechne fest damit diese Geschichte noch sehr oft zu lesen.

Herr Voland

Kurzer Einblick in das nächste Buch
Titel: „S3“
Autor: Oliver Susami
Klappentext:
„Anfang Februar 2008 erzählte mir eine Mitstudentin, ihr sei im Untergeschoss der Universitätsbibliothek, im Buchbereich S3, etwas Unheimliches passiert.
Schon zuvor hatte ich von unerklärlichen Ereignissen in diesem Bereich gehört.
Ich entschloss mich, eine Art „Untersuchung“ zu S3 zu machen. Ich wollte herausfinden, was es mit diesem Bereich auf sich hat.

Zwischen Februar und April 2008 führte ich mehrere Interviews mit Studenten und Mitarbeitern der Bibliothek, sammelte Berichte unheimlicher, unerklärlicher Erlebnisse. Auch verbrachte ich viele Abende alleine auf S3. Es herrscht eine unheimliche Atmosphäre da unten. Es ist dunkler als in anderen Bereichen der Bibliothek, mir kommt es auch kälter vor. Und gerade abends ist es sehr ruhig, stundenlang keine Geräusche. Als gebe es keine anderen Menschen mehr, als wäre man allein auf der Welt.

Mitte April 2008 begann ich von S3 zu träumen. Unter dem Eindruck eines Albtraums entschloss ich mich, keine Interviews mehr zu führen und keine Zeit mehr auf S3 zu verbringen.
Ich wollte Abstand gewinnen.
Doch die Sache ließ mich nicht los. Mittlerweile war ich mir sicher, dass dort unten etwas vor sich geht, etwas Übernatürliches. Es kann einfach nicht sein, dass alle, mit denen ich sprach, mich angelogen haben, dass sich alle Geschichten nur ausgedacht haben. Ich musste wissen, was es mit S3 auf sich hat.

Ende April 2008 verbrachte ich drei Nächte im Untergeschoss der Bibliothek. Seit der dritten Nacht betrete ich S3 nicht mehr.“

Ich bin verwirrt, aber glücklich

Eckdaten
Titel: „Schattenjunge“
Autor: Carl-Johan Vallgren
Verlag: Heyne Hardcore Verlag
Erscheinungsjahr: vorliegende Ausgabe stammt aus 2014; erstmals erschienen in 2013
ISBN: 978-3-453-26946-0
Preis: 19,99€

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Ich habe ja bereits vom Gewinnspiel berichtet, durch welches mir die Fahrt zur Frankfurter Buchmesse letzten Jahres ermöglicht wurde. Als wäre das nicht schon genug gewesen gab es obendrein noch ein Buch und ein Fresspaket für die lange Fahrt. Auf dem Weg nach Frankfurt habe ich bereits in „Schattenjunge“ von Carl-Johan Vallgren hinein geschnuppert und war fasziniert von dem Protagonisten Danny Katz.
Dennoch legte ich das Buch erst einmal zur Seite, da noch der ein oder andere weitere Titel auf meiner To-Read-Liste stand (darunter auch ein paar Bücher, die ich mir nur ausgeliehen hatte). Jetzt im Januar des neuen Jahres bin ich endlich dazu gekommen es zu lesen.

Nachdem ich in den letzten Wochen und Monaten eher amerikanische Autoren gelesen habe war es doch ganz erfrischend ein skandinavisches Buch in den Händen zu halten, deren Handlung auch vorwiegend in einem nordeuropäischem Land spielt. Genauer gesagt befinden wir uns mitten in Schweden und lernen direkt auf den ersten Seiten unseren Protagonisten Danny Katz von seiner „besten“ Seite kennen. Wir erfahren, dass er bereits einige Erfahrungen mit allerhand Drogen gesammelt hat und auch schon wegen Körperverletzung (Spoiler: Für die er aber überhaupt nicht verantwortlich ist!) Bekanntschaft mit der Polizei gemacht hat. Er ist durchaus kein ungeschriebenes Blatt und kann zusammen mit seinem besten Freund Jorma, den wir später kennen lernen, so einige Delikte vorweisen. Danny Katz ist weder Polizist, noch Privatdetektiv oder sonstiges. Er schreibt Computer-Programme und arbeitet nebenher ab und an als Dolmetscher. Er ist in einem Heim aufgewachsen und machte später beim Militär Bekanntschaft mit einem Sprößling der Klingberg-Familie, die in diesem Roman den Gegenpart beinhaltet – jedenfalls zum größten Teil.
Danny wird von Angela aufgesucht, der ihren Mann, Joel Klingberg, ausfindig machen soll, der spurlos verschwunden ist. Seine Ermittlungen führen ihn in die tiefsten Abgründe der reichen Familie. Das ganze geht sogar soweit, dass, als Angela ermordet wird, Danny dafür verantwortlich gemacht und gesucht wird. Man schiebt ihm eine Tat unter, die er nicht begangen hat.
Die ganze Handlung ist sehr verstrickt. Drogen und Entführungen spielen eine große Rolle. Dazu kommt später noch der Voodoo-Glaube und zwielichtige Hacker-Geschäfte. An manchen Stellen ist es wirklich schwer den rote Faden zu behalten und man kommt ab und an auch mit den Namen durcheinander.
Der Verlauf des Romans ändert sich immer und immer wieder. Neue Personen werden eingefügt, andere sterben. An keiner Stelle hat der Leser das Gefühl gerade nur Füllmaterial zu lesen, ständig passiert etwas, das für uns sehr wichtig erscheint. Zum Ende des Romans sehen wir uns einem skrupellosen Mann ausgeliefert, sind auf Drogen und müssen um unser Leben bangen. Und das ganze auch noch weit entfernt von unserer Heimat Schweden.

„Schattenjunge“ ist ein rasanter Thriller, der viele Überraschungen bietet, ein wenig komplex zu lesen ist und definitiv in keine Mainstream-Schublade gehört. Ich hatte viel Spaß beim Lesen, war nicht selten überrascht, als die Handlung wieder um schwang und war vom Ende total überwältigt (Spoiler: Wir haben hier übrigens ein sehr offenes Ende und ich hoffe doch inständig auf einen zweiten Teil mit unserem lieben Danny Katz!).
Ich kann euch den Roman sehr empfehlen. Wer etwas lesen möchte, das einen etwas verwirrt, aber dennoch total mitreißt ist bei Carl-Johan Vallgrens erstem Thriller genau richtig. Er hat verdammt viel Potential und Danny Katz ist ein Charakter, der für viele Bücher die richtige Hauptperson wäre.
Top!

Kurzer Einblick in das nächste Buch
Titel: „Filth“ (deutscher Titel: „Dreckssau“)
Autor: Irvine Welsh
Klappentext:
(Bei der vorliegenden Ausgabe kein richtiger vorhanden)
„Suitable only for persons of strong constitution.
Contains:
Druge use
Perversion
Murder
Corruption
Sexism
Racism
Law enforcement

And a tapeworm“

Herr Voland

2014 – Ein Rückblick

Ich möchte in diesem kurzen Blog-Beitrag keineswegs sentimental oder melancholisch werden. Außerdem habe ich vor mich wirklich kurz zu fassen und nur die Dinge zu erwähnen, die meines Erachtens wichtig sind (oder wichtig zu sein scheinen).
Das Jahr 2014 verabschiede ich mit einem lachenden, aber auch einem traurigen Auge. Viele Dinge sind passiert auf die ich nicht unbedingt stolz bin. Dafür haben sich aber auch viele Wege als positiv erwiesen und ich kann wohl ruhigen Gewissens sagen, dass ich nicht all zu sehr versagt habe (ha!!).
Nun aber genug des ganzen Firlefanzes. Kommen wir doch zum eigentlich Interessanten: dem Jahresrückblick.

Lange habe ich überlegt, ob ich hier ein Rap-Video posten soll. Da ich aber noch viel weniger in diesem Bereich zu suchen habe als Moneyboy (das war ein Diss, ne) lasse ich das doch lieber sein. Ich will auch nicht dichten oder große Märchen erzählen. Den ganzen Kram wie eine Geschichte oder den Anfang zu einem Roman aufzuschreiben erscheint mir auch ziemlich sinnlos (aber das merke ich mir mal für den 31.12.2015). Es bleibt doch bei dem ganz einfachen Rückblick.

Januar 2014
Am 1.1. veröffentliche ich meinen Jahresrückblick 2013. Eigentlich wollte ich den bereits an Silvester geschrieben haben, da ich aber nicht zu Hause war fiel die Option aus. Aber auf einen Tag mehr oder weniger sollte es im Leben ja auch nicht ankommen.
Am 16.1. veröffentliche ich meinen ersten richtigen Blog-Beitrag in diesem Jahr zum „Weltnichtstag“. Was uns das sagt? Wahrscheinlich nichts.

Februar 2014
Der Februar verläuft erschreckend ereignislos. Gut. Da gab es diese eine Sache.
Nach 4 Monaten Beziehung trennen Charles und ich uns, aber wir sind nach wie vor sehr eng miteinander verbunden ❤
Ansonsten schreibe und veröffentliche ich meine erste Buchrezension in diesem Jahr (Stephen Kings „Danse Macarbre“). Außerdem bin ich guter Dinge meinen Cosplay-Ordner aufzuräumen der auch bis dato nur noch die Pläne beinhaltet, die wirklich fest stehen (wenn auch bei den meisten ohne Datum).

März 2014
Der März ist noch viel ereignisloser. Überhaupt fängt das gesamte Jahr eher schleppend an und will bei mir nicht so recht in Fahrt kommen. Ich beginne dennoch mit den ersten Recherchen für meinen Roman, schreibe viele Ideen auf und lege mir eine Mindmap an. Ein bisschen Brainstorming ist auch dabei und ich freue mich darauf mit dem Schreiben richtig los legen zu können.

April 2014
Oh Kinder. Endlich ist es soweit. Mein liebsten Superheld kommt in die Kinos zurück. Der Film läuft zwar schon seit Ende März, aber mich und Charles verschlägt es erst Anfang April in „Captain America: The Winter Soldier.“ So viele Gefühle kommen hoch. So große Lust Steve Rogers endlich zu cossen. Und irgendwann wird das auch endlich der Fall sein!
Darüber hinaus passiert im April nicht sehr viel. Erste Gedanken das Studium abzubrechen kommen auf.

Mai 2014
Im Mai besuchen ich und einige Freunde den Japantag in Düsseldorf. Ich und Charles verkörpern zwei Charaktere aus dem DC-Universum (Charles ist Red Robin und ich Superboy). Wir haben eine Menge Spaß und wirklich seltsame Bilder entstehen. Geshootet haben wir zwar nicht, aber die Charaktere „eingelaufen“, nachdem ich Superboy ja bereits im letzten Jahr auf der Dokomi Probe getragen habe.
Ende Mai gehen wir noch einmal ins Kino. „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ kommt in die Kinos und als Erik und Charles müssen wir natürlich rein! Ich reserviere für mich und meinen Professor einen Love-Chair und unglaublich viele Gefühle kommen wieder hoch.

Juni 2014
Im Juni verschlägt es mich nur einen Tag auf die Dokomi. Für den Rest des Monats und auch den gesamten Juli verschlägt es mich woanders hin. Ich breche mein Studium ab und eine riesen große Last fällt von mir.

Juli 2014
Ich feier meinen Geburtstag mit einigen meiner Freunde nach, bekomme wunderbare Geschenke und einen wirklich lustigen Brief von Charles, wieso ich sein Geschenk noch nicht bekomme (den habe ich übrigens immer noch).
Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich nicht auf der Contopia war und auch auf keiner DoJaKu oder anderen Treffen. Ein paar Leute wissen wieso.
Ein wunderbares hat der Juli aber auch noch:
Seit dem 12.07. sind Charles und ich wieder in einer Beziehung (wir können einfach nicht ohneeinander, das ist vollkommen unmöglich!

August 2014
Ich besuche die AnimagiC dieses Jahr nicht und bin auch nicht unbedingt traurig deswegen. Ansonsten bin ich einfach froh wieder zu Hause zu sein.

September 2014
Im September schließe ich die Harry Potter Reihe wieder einmal ab. Ich habe die Bücher in einer Tour nacheinander gelesen und mir auch die Filme mal wieder angeschaut. In einem Blog-Beitrag habe ich meine Gedanken zu Hogwarts und Co. niedergeschrieben und ich werde definitiv auch im nächsten Jahr noch einmal alle Bücher lesen und die Filme schaue. Zu einem weiteren Harry Potter Marathon mit meinen Leuten sind wir dieses Jahr leider nicht gekommen.
Darüber hinaus lese ich das neue Stephen King Buch („Mr.Mercedes“) schreibe dazu eine Buchrezension und gratuliere ihm auch zum Geburtstag. Und zusammen mit Charles und Mimmy schaue ich mir „Guardians of the Galaxy“ im Kino an. Unglaublich toller und witziger Film, der für Marvel-Fans definitiv ein Muss ist.

Oktober 2014
Der Oktober war wirklich ereignisreich. Zunächst einmal starte ich endlich mit meiner Transgender-Therapie und bin froh an eine wirklich nette Therapeutin geraten zu sein, die mich in den ersten Schritten begleiten wird. Richtig starten möchte ich aber dennoch erst im nächsten Jahr, damit ich alles ganz in Ruhe angehen kann.
Unverhofft gewinne ich eine Freikarte für die Frankfurter Buchmesse. Die Community „was-liest-du.de“ hatte dazu eine Verlosung auf ihrer Seite gestartet und ich habe einfach mal mitgemacht. Mich trifft fast der Schlag, als ich dann Anfang Oktober die Nachricht bekomme, dass ich der glückliche Gewinner bin. Holla! Ich freue mich wahnsinnig und mache mir einen wunderbaren Tag in Frankfurt, sehe viele Autoren, spreche ein wenig Finnisch (Finnland war dieses Jahr Ehrengast auf der FBM) und kaufe mir auch das ein oder andere Werk. Ich möchte mich hier noch einmal für diesen tollen Gewinn und den unvergesslichen Tag bei der „was-leist-du.de“ Community bedanken. ❤

November 2014
Ende November feiere ich mit ein paar Freunden Thanksgiving im amerikanischen Stil. Ich koche zwar nicht selbst, lasse mich dafür aber verwöhnen.
Am 30.11. feiern wir Charles´ Geburtstag. Auf diesen Tag freue ich mich schon seit Wochen, denn ich kann endlich meinen super schnulzigen Liebesbrief los werden, den ich auf das schönste rosa Papier geschrieben habe. Die strahlenden Augen sind Kompliment genug und ich scheine alles richtig gemacht zu haben (mein aller erster Liebesbrief… <3).
Hier auch noch einmal: I love you, Charles ❤

Dezember 2014
Am 2.12. feiern wir den Geburtstag meiner Mutter im kleinen Kreis. Etwa zwei Wochen danach habe ich einen Einstellungstest bei der Stadt Düsseldorf (etwa Mitte Januar bekomme ich ein Ergebnis *Däumchen drück*) und am 20.12. schaue ich mir mit Charles „Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“ im Kino an und bekomme die wohl süßeste Antwort auf meine Liebesbrief – ebenfalls in schriftlicher Form. Charles´ Brief hängt jetzt neben meinem Bett Der Dezember hätte also nicht schöner werden können, wenn man dann nicht gedämpft wird. Mein Jahr geht mit der traurigen Nachricht vom Tod meines Onkels zu Ende. Möge er in Frieden Ruhen ❤

Ein Fazit möchte ich aus dem ganzen Kram nicht ziehen. Dazu fehlt mir jetzt die Motivation, um die nötigen Worte zu finden.
Anschließend möchte ich nur sagen, dass das Jahr 2014 viele wunderbare und ein paar traurige oder unangenehme Momente für mich bereit hielt. Ich möchte meiner Familie, meinen Freunden und besonders Charles für die schönen und glücklichen Momente danken. Ohne euch wäre das Leben nur halb so – ach was rede ich da, ohne euch wäre das Leben einfach beschissen. Die meisten meiner Liebsten möchte ich einfach zu keiner Sekunde missen. Ich bin froh in diesem Jahr ein paar neue Bekanntschaften gemacht und ein paar weitere vertieft zu haben.

Für das Jahr 2015 habe ich mir auch wieder vorgenommen nicht mit dem Rauchen anzufangen und an meinem Roman weiter zu arbeiten. Darüber hinaus möchte ich Charles einfach viel öfter sehen und ich hoffe entweder eine erfüllende Ausbildung zu finden, oder aber doch noch den richtigen Studiengang für mich zu entdecken.

Ich wünsche euch alles erdenklich gute für das Jahr 2015. Verliert eure guten Vorsätze nicht aus den Augen, haltet eure Lieben nah bei euch, seid euch für die ein oder andere gute Tat nicht zu schade und lasst euch von der allgemeinen depressiven und argwöhnischen Stimmung nicht all zu sehr mitreißen. Denkt daran, dass das Leben zu kurz ist, um es als grauer Trauerkloß zu verbringen. Habt Spaß mit euren Freunden, euren Familien und Partnern. Verbringt wunderbare Momente miteinander und behaltet die in euren Herzen.

Einen guten Rutsch und ein wunderschönes Jahr 2015!

Herr Voland

Welcher Geist?

Ich liebe Geistergeschichten. Als ich vor ein paar Wochen im hiesigen Bücherladen geschmökert habe und eventuell unterbewusst besonders nach gruseligen Romanen Ausschau gehalten habe fiel mir Richard Laymons „Der Geist“ in die Hände. Der Klapptentext hörte sich wirklich gut an. Ich selbst besitze ein Ouija-Brett und jeder, der auch eines zu Hause hat kann wohl bestätigen, dass man mit diesen Dingern nicht spielen sollte. Okkultismus, Geisterbeschwörung, etc. sind ernst zu nehmende Themen.
Ich war also wirklich gespannt dieses Buch zu lesen.

Eckdaten
Titel: „Der Geist“
Autor: Richard Laymon
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungsjahr: 2014 (deutschsprachige Erstausgabe); englisches Original aus 1991
ISBN: 978-3-453-67649-7
Preis: 9,99€

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Um ehrlich zu sein weiß ich nicht, wie ich anfangen soll. In einigen vorigen Beiträgen habe ich bereits erwähnt, dass ich gerne Gruselgeschichten lese und besonders die um Geister und Dämonen haben es mir sehr angetan. Ich bin immer wieder auf der Suche nach dem Horrorschocker, der mich um den Schlaf bringt und in jeder dunklen Ecke eine Schauergestalt vermuten lässt. Daher ziehen mich meine Streifzüge durch Bücherläden und Bibliotheken immer wie automatisch in die Spannungsecken.
„Der Geist“ von Richard Laymon schien mir eine wunderbare und abwechslungsreiche Lektüre zu sein. Im Klappentext wurden Studenten, ein Ouija-Brett und ein Schatz erwähnt. Gut. Auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt die ideale Storyline für einen echten Gruselroman, aber beim Begriff „Oujia-Brett“ wurde ich hellhörig. Wie bereits oben genannt bin auch ich im Besitz eines solchen Gegenstandes und weiß, dass man mit diesen Brettern nicht leichtfertig umgehen sollte. Studenten, die dieses Brett auf einer Party benutzen wirkten auf mich also wie ideale Opfer eines bösen Geistes, der seine Spielchen mit ihnen treiben wollte. Zunächst scheint auch genau das zu passieren. Der Geist bringt die weibliche Protagonisten dazu ihre Oberteile auszuziehen, was die männlichen Mitstudenten, insbesondere einen gewissen Howard, sehr zukommt. Der Geist verspricht den Studenten einen Schatz, den sie in den Bergen finden sollen und kurzum beschließt die Truppe in der gleichen Nacht noch aufzubrechen. Sehr zum Missfallen der Dozentin in dessen Haus die Studenten mit dem Geist Kontakt aufgenommen haben und der auch das Ouija-Brett gehört. Die Dozentin bekommt außerdem in der selben Nacht noch Besuch vom Bruder ihres verstorbenen Mannes, der natürlich schon von Anfang an in sie verliebt war – und sie selbstverständlich auch in ihn. Die beiden kennen die Gefahren des „Hexenbrettes“ und verfolgen die junge Truppe in die Berge.
Dort werden die Studenten von einem Bodybuilder im Ledertanga angegriffen, der sich auch in den folgenden Stunden nach und nach die weiblichen Studenten schnappen will. Er wird jedoch immer wieder daran gehindert. Während einer weiteren Seance bekommen die jungen Erwachsenen – die sich mehr wie pubertierende Teenager verhalten – weitere Instruktionen, wo sie den Schatz des Geistes, der sich Butler nennt, finden können. In einer verlassenen Mine stoßen sie schließlich auf ein Skelett, das sich später als Butler entpuppt, der obendrein die Mutter einer der Studentinnen ist, und auf eine Sammlung an Höschen, die der Bodybuilder zusammen geklaubt hat.
Gekrönt wird das ganze durch die wohl herzzerreißende Geschichte von der Studentin Angela – „Butlers“ Tochter – die jahrelang von ihrem Stiefvater und dessen Söhne und hinterher noch von einem perversen Alten sexuell missbraucht wurde. Das alles hindert die Gute aber nicht im geringsten ein Verhältnis mit dem notgeilen Howard anzufangen, der gefühlt auf jeder Seite einen Blick auf ihren BH werfen kann.
Das Ende kommt so plötzlich, dass es völlig fehl am Platz erscheint. Die Studenten werden bei der vermeintlichen „Bergung“ des Schatzes aus einem Bus von den früheren Peinigern Angelas erschossen. Howard, der zum mutigen Helden wird rettet sie und eine weitere Mitstudentin und tötet die Männer, die sich noch kurz davor an Angela vergreifen.
Nach diesen ganzen Strapazen (die alles entscheidenden Momente und der Tod der meisten Studentin beschränkt sich im Übrigen auf 27 1/2 von insgesamt 489 Seiten…) kommt am Ende natürlich heraus, dass die Jungs und Mädels gar nicht erst in die Berge hätten fahren müssen, um zu ihrem Schatz zu kommen. Der perverse Alte, bei dem Angela lebte, brach sich nach ihrem Aufbruch beim Fallen das Genick und vermachte seiner „Süßen“ sein ganzes Geld. Pech für die Toten.

Im Allgemeinen empfand ich „Der Geist“ als äußerst schwach. Die Geschichte hat sich im Grunde nur um den sexuellen Missbrauch Angelas und Howards Gier nach Höschen und BH´s beschränkt. In fast jedem Kapitel kam es zu sexuellen Handlungen und auf jeder Seite hatte man das Gefühl einen BH zu sehen – oder wenigstens einen nassen Rücken, der bei dem lieben Howard schon für eine Erektion reichte. Der Geist Butler war fast nicht anwesend. Er bzw. sie wurde nur zu Rate gezogen, wenn die verwöhnten Studenten wissen wollten, wo der Schatz lag. Ansonsten glänzte der Geist durch Abwesenheit.
Gruselig war dieses Buch an keiner einzigen Stelle. Von Richard Laymon bin ich sexuelle Praktiken durchaus gewohnt, aber auch einen gewissen Grad an Horror und auch Schockelementen.
Das einzig gute an dem Roman waren die schönen Beschreibungen der Landschaften. Außerdem bin ich doch sehr auf der Seite des „Arschlochs“ Keith gewesen, der mit seinen Sprüchen wenigstens ab und an mal ein leichtes Schmunzeln auf meine Lippen zaubern konnte. Auch Lana war ganz erfrischend und offen gestanden fand ich es schon etwas schade, dass die sexuellen Handlungen auf Howard und Angela und später auf Corie (die Dozentin) und ihren Schwager Chad beschränkt haben. Keith und Lana wären doch ganz nett gewesen.
Ansonsten kann ich den Roman leider nicht empfehlen. Wer etwas über Geister und Ouija-Bretter lesen möchte sollte andere Bücher wählen. Vielleicht finde ich ja mal eines, das mich wirklich packt und mit sich reißt.

Oder aber ich ziehe mein eigenes Oujia-Brett zu Rate und schreibe selbst einen Roman darüber 😉

Herr Voland

Kurzer Einblick in das nächste Buch
Titel: „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“
Autor: Ray Bradbury
Klappentext:
„Zwei neugierige Jungen, die das Verschwinden eines Mannes aufzuklären versuchen, entdecken das dunkle Geheimnis eines Karussells, in dem auf zerstörerische Weise in das Leben der Fahrgäste eingreifen wird. Ihre Entdeckung bleibt nicht unbemerkt: Auf leisen Sohlen, aber unerbittlich werden die Jungen vom Bösen verfolgt und in die Enge getrieben.“

„Ich weiß, dass sich jede von euch im Wald verirrt hat.“

Fast jeder von uns wird als Kind die Märchen der Gebrüder Grimm gelesen haben. Die meisten kennen aber höchst wahrscheinlich die Kinderfassung mit dem Happy End in dem der Prinz die Prinzessin bekommt und das Böse vernichtet oder vertrieben wird. Wahr ist aber, dass die wenigsten Grimm Märchen tatsächlich so ausgehen, wie wir es aus Kindertagen kennen.
John Katzenbach greift das reale Märchen von Rotkäppchen in seinem Roman „Der Wolf“ auf, führt uns in die tiefen Abgründe eines mordenden Schriftsteller ein und lässt uns mit seinen drei Roten einen Waldweg einschlagen, dem wir uns im Dunkeln nicht nähern würden.

 Eckdaten 
Titel: „Der Wolf“
Autor: John Katzenbach
Verlag: Knaur Taschenbuch
Erscheinungsjahr: Ursprünglich 2012, vorliegendes Exemplar 2014
ISBN: 978-3-426-50071-2
Preis: 9,99€

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Als ich den Klappentext in der Buchhandlung gelesen habe dachte ich zuerst: Mörder und erfolgloser Schriftsteller? Ein typisches Thriller-Klischee.
Möchte man jedenfalls meinen. Da ich aber schon das ein oder andere Buch von John Katzenbach gelesen habe und weiß, dass der Mann immer für eine Überraschung gut ist landete der Roman dennoch in meiner Einkaufstasche und fuhr mit mir nach Hause. Es dauerte dennoch noch gute drei Wochen bis ich die erste Seite aufschlug – vorher krallte sich meine Mutter noch den Roman.
Rotkäppchen war eines meiner Lieblingsmärchen, als ich noch klein war und es reizte doch sehr, einen Thriller mit dieser Grundlage zu lesen. Und schon der Prolog und die ersten Kapitel überzeugten mich einen richtigen Einkauf getätigt zu haben.
Ein Mörder, der sich als „Böser Wolf“ ausgibt und drei Frauen augenscheinlich wahllos für sein perfides Spiel aussucht. Er schreibt einen Roman, nutzt dafür seine „drei Roten“ und treibt sie bis zum Äußersten, um seine Kreativität wieder zu entfachen. Er hat schon längere Zeit kein Buch mehr veröffentlicht, doch im Laufe der Geschichte erfahren wir Stück für Stück, dass er auch für seine vorigen Werke reale Verbrechen genutzt und selbst ausgeübt hat. Bis zum Ende erfahren wir weder seinen, noch den Namen seiner Frau, die im ungefähr nach der Hälfte auf die Schliche gekommen zu sein scheint. Ihr Mann versteht es aber genau sie um den Finger zu wickeln, ihr glaubhaft vermitteln zu können, dass es sich bei seiner Arbeit in seinem verschließbarem Zimmer lediglich um Recherche handelt und sie sich vollkommen umsonst Sorgen macht – sie wird schließlich sogar zur Komplizin und hilft ihrem Mann die „drei Roten“ auszuspionieren.
Die „drei Roten“ haben überhaupt nichts miteinander gemein, kennen sich nicht einmal. Nur ihre jeweils roten Haare scheinen sie zu verbinden. Sie sind alle im unterschiedlichen Alter, haben unterschiedliche Berufe (Ärztin, arbeitslose Lehrerin und Schülerin) und unterschiedliche Hintergründe. Jede von ihnen erhält eines Tages eine sonderbare Nachricht per Post in der der „Böse Wolf“ ankündigt sie zu jagen und zu töten. Er nennt sie „Rote Eins“ (Karen, Ärztin, Gelegenheitsraucherin), „Rote Zwei“ (Sarah, arbeitslose Lehrerin, Witwe, Gelegenheitstrinkerin) und „Rote Drei“ (Jordan, Schülerin, Scheidungskind).
Nachdem der „Böse Wolf“ ihnen eine zweite Nachricht mit einem YouTube-Link zugesendet hat nehmen die drei Frauen Kontakt zueinander auf und beschließen zusammen gegen ihren vermeintlichen Mörder vorzugehen.
Ein rasanter Schlagabtausch zwischen Mörder und Opfer beginnt.

Sehr gefallen hat mir persönlich, dass uns der Mörder aka „Böser Wolf“ einen Einblick in seinen Roman gibt. Neben seinem eigenen Handeln finden wir immer wieder Textpassagen seines neuen Buches und erleben mit, wie er sie schreibt, ändert, ausschmückt.
Auch, wie sich die drei Frauen benehmen, sich gegenseitig zu stützen und zu helfen erscheint realistisch und nachvollziehbar. Ihre Pläne zeigen Verzweiflung, aber auch pure Entschlossenheit. Der „Böse Wolf“ treibt sie schier in den Wahnsinn, lässt ihnen gar keine andere Möglichkeit als sich zu wehren, bevor er sie umbringen könnte.

Weniger gut fand ich jedoch, dass sich die Geschichte am Anfang etwas gezogen hat. Nachdem sich die drei Frauen gefunden haben passiert erst einmal recht wenig, sie recherchieren ein wenig, wie man einem Mörder entkommen kann oder wie man sich verhalten sollte, versuchen mit allen Mitteln möglichst normal zu sein und sich nicht anmerken zu lassen, dass sie von einem mutmaßlichen Mörder verfolgt werden. Bis Sarah schließlich ihren Selbstmord vortäuscht und das ganze Geschehen wieder richtig in Fahrt kommt muss man einige Seiten lesen, danach aber hat man fast keine ruhige Minute mehr.

Das Ende wiederum stößt die ein oder andere Tür des eigenen Fantasieschlosses auf.

Man sieht das Märchen von Rotkäppchen und dem bösen Wolf nach Katzenbachs Roman nicht unbedingt mit anderen Augen. Aber ich lege jedem nahe sich einfach mal die Originalfassungen anzuschauen und die heile Märchenwelt einfach vergessen.

Herr Voland

Kurzer Ausblick
Autor: Richard Laymon
Titel: „Der Geist“
Klappentext:
„Eine Gruppe von Studenten probiert auf einer Party ein altes Ouija-Brett aus. Tatsächlich können sie Kontakt mit einem Geist aus dem Jenseits aufnehmen, er ihnen verrät, dass in den unzugänglichen Bergen Kaliforniens ein Schatz versteckt sein soll. Für die jungen Leute beginnt eine Reise ins Grauen…“

„Nenn es seltsam. Nenn es geisteskrank. Nenn es, wie auch immer du möchtest. Aber es ist wahr.“

„900 Meilen“ stand auf meiner Wunschliste als Zombieroman weit oben. Zu meinem Geburtstag habe ich dieses Buch von einer lieben Freundin dann auch bekommen und vertiefte mich Anfang Oktober in die Lektüre. Vorab habe ich viel Gutes gehört, wollte aber zum Großteil unvoreingenommen an die ganze Sache heran gehen. Und zum Glück ist mir das auch gelungen.
Wer das Buch lesen und keiner “Spoilergefahr” ausgesetzt sein möchte: Mögliche Spoiler sind in Klammern gesetzt und sollten von euch dann nicht beachtet werden. 😉

Eckdaten
Titel: „900 Meilen“
Autor: S. Johnathan Davis
Verlag: LUZIFER-Verlag
Erscheinungsjahr: 2014 – Deutsche Erstausgabe
ISBN: 978-3-943408-24-9
Preis: 13,95€

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S. Johnathan Davis´ Roman hat mir im Großen und Ganzen wirklich sehr gut gefallen. Das Buch lässt sich leicht lesen, beschränkt sich auf seinen knapp 280 Seiten auf das Wesentliche und überlässt viel der Fantasie des Lesers. Wir bekommen einen schönen Einblick in die beiden Protagonisten John und Kyle, ziehen mit ihnen durchs Land und metzeln gemeinsam die Untoten nieder.
Wir sind uns schnell einig, dass dieses Duo jede Gefahr bestehen und John sich seinen Weg zu seiner Frau Jenn bahnen wird, die 900 Meilen von ihm entfernt ist – hochschwanger.

Der Roman ähnelt in vielen Dingen anderen Zombieromanen. Wir haben die unerschrockenen Kämpfer, die sich Waffen besorgen, um zu überleben. Wir haben alle Arten von Zombies, die man sich vorstellen kann – ob es nun Kriecher, Greifer, Langsame oder Schnelle sind. Und wir haben den Protagonisten, der ein Ziel hat und der von einem Ex-Soldaten begleitet wird.
„900 Meilen“ lässt außerdem die Frage offen, wie es urplötzlich zu dieser Apokalypse kommen konnte.
Während John im Büro in New York sitzt prasseln auf einmal Nachrichten von auferstandenen Toten auf ihn ein und er sieht sich mit der schrecklichen Wahrheit konfrontiert, dass seine Frau mit ihrem gemeinsamen Kind am anderen Ende des Landes sitzt. Zum Glück für ihn arbeitet in dem Gebäudekomplex auch Kyle, der Ex-Soldat, der nun seinem Leben als Sicherheitsbeamter entgehen kann. Und selbstverständlich haben wir auch einen weiteren Kollegen, der die beiden Helden erst einmal auf dem Dach sitzen lässt und seinen eigenen Hintern in Sicherheit bringt. (Spoiler: Da empfindet man kaum Trauer, wenn eben dieser Kollege später von Zombies auf einem schicken Golfplatz in Stücke gerissen wird)
Während sich John und Kyle natürlich dennoch retten können und den gelben Hummer von Johns Chef krallen finden sie auf ihrem Weg zu Jenn einen weiteren Mitstreiter, der sich als Michael vorstellt. Michael berichtet von einer Utopie namens Avalon, die Schutz für jeden bietet, der eine Eintrittskarte hat. Diese Wendung des Geschehens hat mich recht stark an den Film „2012“ erinnert und sollte sich später als kleine Adaption an „Mad Max“ entpuppen.
John und Kyle beschließen Michael nach Avalon zu bringen, damit sie von dort aus neu ausgerüstet Jenn suchen können.
Avalon ist jedoch nicht das, was es verspricht. Wer gegen die Regeln verstößt muss in der „Arena“ gegen angriffslustige Zombies kämpfen und wie es das Schicksal will müssen auch Kyle und John ran. Michael ist natürlich nicht der für den er sich ausgibt und wird von dem Boss der Anlage, Gordon, in einen Zombie verwandelt – der mit allerhand tödlicher Instrumente ausgestattet ist. Gegen ihn und viele weitere Zombies müssen John und Kyle also antreten – haben dabei allerdings Unterstützung von drei Mitgefangenen.
Wie das alles zustande kommt und wieso sie schließlich aus Avalon fliehen müsst ihr aber selber lesen 😉

Der rasante Schreibstil, die moderne Wortwahl – mit zugegeben nicht wenigen Schimpfwörtern – und der schnelle Ortswechsel lassen den Roman zügig lesen. Wie bereits erwähnt wird vieles der Fantasie des Lesers überlassen, was mir persönlich sehr gefallen hat.
Das Ende kommt zwar sehr vorhersehbar, bleibt aber offen und so kann man selber weiterspinnen, was aus John und Kyle schlussendlich wird. „900 Meilen“ ist ein wirklich lohnenswerter Zombieroman, kommt meiner persönlichen Meinung nach allerdings nicht an V.M. Zitos „Return Man“ heran.
Ich weiß leider auch nicht, ob es nur an meiner Ausgabe lag oder, ob da schlichtweg einfach nicht ordentlich drüber gelesen wurde, aber in meiner Ausgabe haben sich doch wirklich viele grammatikalische Fehler eingeschlichen. Ab und an wurden auch ganze Wörter vergessen. Das hat meinen eigenen Lesefluss zwar nicht sehr gestört, fiel mir aber dennoch immer wieder ins Auge.

Trotzdem möchte ich „900 Meilen“ jedem empfehlen, der sich für Zombieromane interessiert und gerne solche liest. In meinem Regal werden auch in Zukunft noch einige landen.

Herr Voland

Kurzer Ausblick auf das nächste Buch
Titel: „Schattenjunge“
Auto: Carl-Johan Vallgren
Klappentext:
„Stockholm 1970.
Ein Junge verschwindet spurlos von einem Bahnsteig.
Stockholm 2012.
Auch sein Bruder verschwindet unter mysteriösen Umständen.

Danny Katz wird von der Frau des Verschwundenen auf den Fall angesetzt. Und er ist nicht allein.
Je tiefer er in die Machenschaften eines mächtigen Familienimperiums eintaucht, umso komplexer wird der Fall.“