„Finsternis, Zähne, ein tiefes Zischen und das Klicken scharfer Klauen“

Das Alien Franchise ist diesen Mai um einen Film reicher geworden. „Alien: Covenant“ ist der Nachfolger von „Prometheus: Dunkle Zeichen“ und behandelt auch wieder die Zeitspanne vor Ellen Ripley.
Auch bei den gedruckten Werken sind im Jahr 2014 drei komplett neue Bücher erschienen, deren Handlung abseits der Filme liegen.
„Alien – In den Schatten“
„Alien – Jenseits der Sterne“
und
„Alien – Der verlorene Planet“
sind nun Bestandteil des Universums rund um das skrupellose Unternehmen Weyland(-Yutani) und der Xenomorphs. Allen Ripley und ihre Nachfahren haben ordentlich zu kämpfen, um ihre geliebten Mitmenschen und sich selbst zu retten. Ob ihnen das auch immer gelingt?

Eckdaten

  • Titel: „Alien – In den Schatten“
  • Autor: Tim Lebbon
  • Verlag: Heyne Verlag
  • deutsche Erstausgabe aus 12/2014
  • ISBN: 978-3-453-31561-7
  • Preis: 8,99€

„Irgendetwas kam aus seiner Brust, kroch daraus hervor.“

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„Alien – In den Schatten“ von Tim Lebbon ist siebenunddreißig Jahre nach dem Film „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ einzuordnen. Hauptperson ist, neben der Crew des beschädigten Raumschiffes MARION, Ellen Ripley. Sie strandet in der Rettungskapsel NARCISSUS, bedingt durch einen Kurswechsel, auf der MARION und befindet sich prompt in einem erneuten Kampf um Leben und Tod gegen die Außerirdischen.

Auf dem Planeten LV-178 baut der Konzern Weyland-Yutani das wertvolle Metall Trimonit ab. Bei den Bergbauarbeiten stoßen Arbeiter auf ein scheinbar verlassenes Raumschiff unbekannter Herkunft. Die menschliche Neugier treibt sie natürlich hinein und bei dem Versuch auf die MARION zu fliehen gelangen Xenomorphs auf die Landefähren. Die Crew riegelt daraufhin das komplette Raumschiff ab. Da die MARION beim Aufprall der beiden Landefähren jedoch schwer beschädigt wurde muss die Crew nach LV-178, um geeignete Baustoffe zu organisieren. So nimmt das Schicksal seinen Lauf und Ripley hat allerhand zu tun, um erneut zu überleben.

Was der Android Ash mit der ganzen Sache zu tun hat und wer am Ende überlebt müsst ihr selbst herausfinden.

Der Roman ist einfach und flüssig geschrieben, lässt sich sehr schnell lesen und erfordert nur bedingtes Vorwissen. Wer die Filme (und sei es nur der erste) kennt wird auf jeden Fall auf seine Kosten kommen und sehr viele Details wiederfinden, die liebevoll hineingearbeitet worden sind. Die Charaktere haben Seele und man findet auch sehr schnell seinen Liebling. Definitiv lohnenswert für alle Alien-Fans.


 

Eckdaten

  • Titel: „Alien – Jenseits der Schatten“
  • Autor: James A. Moore
  • Verlag: Heyne Verlag
  • deutsche Erstausgabe aus 10/2015
  • ISBN: 978-3-453-31616-4
  • Preis: 8,99€

„Leider konnte er sie schlecht bitten, etwas weniger Angst zu haben“

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„Alien – Jenseits der Schatten“ von James A. Moore spielt dreihundert Jahre nach den Ereignisse auf LV-426 und der NOSTROMO und damit auch erst nach dem vierten Film „Alien – Die Wiedergeburt“. Ellen Ripleys Nachfahre Alan Decker arbeitet für Weyland-Yutani und hat – wie hm später bewusst wird – eine empathische Verbindung zu den Xenomorphs. Diese spüren in ihm den Nachfahre der „Zerstörerin“ Ellen Ripley und wollen dessen Tod.

Die Handlung spielt sich auf New Galveston ab, der sich als mittlerweile besiedelter Planet LV-178 entpuppt. Alan Decker wird von Weyland-Yutani benutzt um die Aliens und die Artefakte aus dem abgestürzten Raumschiff zu bergen, das bereits in Lebbons Alien-Buch Thema war. Dieses Mal verfolgen wir aber keine Schiffscrew, sondern ehemalige Colonal Marines und Söldner bei ihrem Kampf gegen die Xenomorphs. Auch der Konzern rückt wieder mehr in den Vordergrund und fällt abermals durch die Bemerkung „die Crew ist entbehrlich“ auf. Überhaupt hat die Handlung relativ viel Ähnlichkeit mit den ersten beiden Alien-Filmen.

Der zweite Roman hat mir gut gefallen. Man erfährt recht viel neues zur Geschichte von Weyland-Yutani und deren Machenschaften. Auch die Charaktere haben Sinn und Verstand, aber weniger Geschichte, als in Lebbons Buch. Die Handlungsorte springen von Kapitel zu Kapitel, was den Lesefluss ein wenig stört und ab und an hatte ich meine Schwierigkeiten mich zu erinnern, was mit der Person vorher passiert war, wenn nach etwa zehn Kapitel wieder zu ihr gesprungen wird. Für Alien-Fans dennoch auf jeden Fall empfehlenswert und interessant.


 

Eckdaten

  • Titel: „Alien – Der verlorene Planet“
  • Autor: Christopher Golden
  • Verlag: Heyne Verlag
  • deutsche Erstausgabe von 04/2016
  • ISBN: 978-3-453-31617-1
  • Preis: 8,99€

„Eines Tages würde er auf etwas Beeindruckendes Stoßen“

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„Alien – Der verlorene Planet“ von Christopher Golden spielt direkt vor dem zweiten Alien-Film „Aliens – Die Rückkehr“. Wir lernen Ellen Ripleys Enkelin und deren Familie kennen, die mit anderen Kolonisten auf LV-426, jetzt Acheron, lebt und arbeitet. In Einzelkapiteln haben wir auch Szenen aus dem zweiten Film, in denen Ellen Ripley von dem Weyland-Mitarbeiter Burke befragt wird.

Annie Jorden, Ripleys Enkelin, lebt und arbeitet ziemlich friedlich mit ihrem Mann auf Acheron, bis eines Tages ihr Verflossener als neuer Kommandant dort auftaucht. Zeitgleich bekommen sie von Weyland-Yutani den Auftrag einem Signal nachzugehen, das sie direkt zu genau dem Raumschiff führt, das wir schon aus dem ersten Film kennen. Wie es kommen muss werden zahlreiche Menschen von Facehuggern angegriffen und es dauert nicht lange bis Xenomorphs die ganze Kolonie unsicher machen. Wir haben hier also die Vorgeschichte zum zweiten Film und erfahren, wieso Rebecca alleine dort ist und was mit der ganzen Anlage passiert ist.

Der Roman ist überaus gelungen, obwohl man an vielen Stellen eher das Gefühl hat eine Liebesgeschichte zu lesen. Auch braucht die Spannung etwas bis sie sich wirklich aufgebaut hat und erst zur Mitte des Buches kommen wir mit den Aliens in Kontakt. Aber wir bekommen einen erneut detaillierten Einblick in den Weyland-Yutani Konzern und lernen auch mehr über die Colonial Marines kennen. Als Vorgeschichte zum zweiten Film ist der Roman absolut plausibel und liefert sehr gutes Grundwissen, um im Alien-Franchise zurechtzufinden. Definitiv empfehlenswert.

 

Herr Voland

Zombiekult

Eigentlich hatte ich nie große Erwartungen in Zombie-Bücher. Die meistens habe ich nach den ersten zwanzig Seiten oft genug aus der Hand gelegt und nie wieder angerührt. Als ich dieses Jahr dann von einem guten Freund ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk bekam dachte ich es würde wieder genau so passieren. Ich lese die ersten paar Seiten, bin gelangweilt oder aber dieser doch zu fantastischen Welt abgeneigt und lege das Buch beiseite.
Weit gefehlt.
Schon nach den ersten fünf Seiten war mir klar: Dieses Buch ist ein Highlight, ein Lichtblick in der mittlerweile zu absurden Zombiewelt.
Ich muss dazu sagen, dass ich schon sehr lange ein Fan guter Zombie-Filme bin. „The Walking Dead“ gehört zu meinen Lieblingsserien und „Resident Evil“ eigentlich kaum wegzudenken (sowohl die Bücher, als ach die Spiele. Die Filme lege ich mal in den Hintergrund). Aber die meisten Bücher in diesem Subgenre waren doch wirklich nicht meins.
Hier jedoch möchte ich kurz festhalten, wieso „The Return Man“ ein wirklich grandioses Werk ist und es in meine Favoritenliste geschafft hat. Wer das Buch lesen und keiner „Spoilergefahr“ ausgesetzt sein möchte: Mögliche Spoiler sind in Klammern gesetzt und sollten von euch dann nicht beachtet werden 😉

Die Eckdaten
Autor: V.M. Zito
Titel: Return Man
Verlag: Die deutschsprachige Ausgabe erschien im Heyne Verlag
Erscheinungsjahr: Original: 2012, vorliegende Ausgabe stammt aus 2013
ISBN: 978-3-453-31397-2
Preis: 8,99€

 

Kurze Zusammenfassung
Im Jahr 2018 ist Amerika in zwei Lager gespalten. Im Osten, den Sicheren Staaten, versuchen die überlebenden Menschen eine neue Zivilisation aufzubauen. Im Westen herrschen die Zombies und hinterlassen eine blutige Spur von Kalifornien über Nevada bis Arizona. Nur ein Mann ist dort geblieben, um für Überlebende Aufträge auszuführen, Untote zurückzugeben: Henry Marco. Seines Zeichens eigentlich Neurologe hat er es sich zur Aufgabe gemacht Untote auf dem Wunsch ihrer Angehörigen hin zu erlösen. Darüberhinaus verfolgt er sein eigenes Ziel: er will seine Frau Danielle finden – und ihr die letzte Gnade erweisen.
Nach einem nervenaufreibendem Auftrag kehrt Marco in sein Haus in Arizona zurück, will eigentlich nur schlafen und Ruhe. Dazu kommt er nicht, denn ein neuer Auftrag, ein ganz spezieller, wartet bereits per Videokonferenz aus den Sicheren Staaten auf ihn. Für die neugeformte Regierung der Republikaner soll er einen Arzt ausfindig machen, der sich zuletzt im Staatsgefängnis von Sarsgard aufgehalten hat. Einen Arzt, der ihm wohlbekannt ist und er eigentlich hoffte niemals wiederzusehen: Roger Ballard.
Von der neuen Regierung soll Marco eigentlich ein AAE-Team zur Seite gestellt bekommen. Die treffen aber niemals bei ihm ein, werden von dem rücksichtslosen chinesischen Killer und MSS-Agneten ausgemerzt, der sich schließlich für Marcos Verstärkung ausgibt. Natürlich verfolgt er ganz andere Ziele. Seine Aufgabe ist es Roger Ballard zu finden, eine DNA-Probe von ihm zu nehmen – er trägt nämlich laut geheimen Informationen die Formel für ein Heilmittel in sich – und ihn und Marco anschließend töten.
Marco, der Wu wirklich für seine Verstärkung hält, nimmt den Auftrag notgedrungen an, denn sein Freund und Auftragsvermittler Ben droht ermordet zu werden sollte er sich weigern. Zusammen machen sich die beiden also auf den Weg nach Sarsgard, erleben so manche Gefahren und nähern sich sogar auf freundschaftlicher Basis ein wenig an.

Lesbarkeit
„Return Man“ ist in insgesamt dreizehn Großkapiteln unterteilt, die noch einmal mehrere kleine Unterkapitel aufweisen. Zu Beginn finden wir uns nur bei Marco wieder, der uns durch seine Gedankengänge führt und uns auf eine Mission mitnimmt, auf der wir seine Überlebenskünste kennen lernen. Wir erhalten ein umfassendes Bild von dem Protagonisten, wissen was er vor der Evakuierung gemacht hat, wissen wo und wie er nun sein Leben verbringt und was er eigentlich will. Nach und nach wird auch seine Vergangenheit aufgedeckt und ungefähr zur Mitte hin wissen wir auch endlich, wieso er Roger Ballard nicht wiedersehen möchte (Spoiler: Roger Ballard ist für den Tod Marcos neugeborener Tochter Hannah mitverantwortlich. Zu Beginn gibt er ihm noch komplett die Schuld. Zum Ende hin muss sich Marco allerdings eingestehen, dass Ballard überhaupt keine andere Wahl hatte und die Therapie bloß eine Hilfe sein sollte.).
Wu wird uns nach wenigen Kapiteln, nachdem Marco seinen neuen Auftrag von der Regierung – Owen Osbourne ist hier der böse Stellvertreter – erhalten hat. Seine Vergangenheit wird sehr lückenhaft aufgedeckt. Wir wissen wie er was und wieso tut und mehr müssen wir auch gar nicht wissen.
Die Großkapitel decken jeweils ein kleines Abenteuer der beiden ab, die in mehrere kurze Sequenzen aufgeteilt werden. Der Lesefluss wird nicht unterbrochen und durch die wechselnden Perspektiven – wobei das Augenmerk doch deutlich auf Marco liegt – haben wir nicht den Eindruck irgendetwas zu verpassen, was eventuell wichtig werden könnte. Die Szenarien sind wirklich sehr gut beschrieben, die Zombies drücken sich mit einem deutlichen Bild in unser Gehirn und am liebsten würden wir einfach in das Buch steigen, uns eine Waffe schnappen und drauf los schießen. Man fühlt sich an vielen Stellen wie in einem Film oder einem interaktiven Computerrollenspiel. Ganz große Kunst.

Humor
Eigentlich sollte man meinen während einer Zombie-Apokalypse hat man keinen Spaß. Aber mit Marco hat man den. Seine oftmals sehr bissigen Kommentare gegenüber Wu oder der Zombies lässt einem nicht selten ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Dennoch verliert man nicht de Ernst und die Dringlichkeit der Lage aus den Augen.
Wu hingegen kann sich erst zum Ende ein wirklich ehrliches Lachen abringen (Spoiler: Zwar im Angesicht seines sicheren Todes und das Lachen ist sicherlich nicht wegen eines Scherzes entstanden, aber er lacht) und übernimmt die deutlich ernstere Rolle in diesem Buch.
(Spoiler: Anders sieht es da wieder bei Roger Ballard aus, der uns zum Ende hin in vollster Pracht begegnet und uns wirklich ein skurriles Bild eines scheinbar verrückt gewordenen Wissenschaftlers bietet. Sollte in einem guten Zombie-Plot natürlich niemals fehlen.)

Spannung
Ich habe nicht gezählt an wie vielen Stellen mir beinahe das Herz stehen geblieben wäre und wo es mich am ganzen Körper geschüttelt hat. Es waren sehr sehr viele. Man fiebert und leidet mit Marco mit, meint man würde beim sicheren Schuss in den Kopf eines Zombies direkt durch deine Augen sehen. Und jedes Mal, wenn ein Schwall dieser Untoten auf ihn oder Wu zugeströmt kommt hält man reflexartig den Atem an, hofft, dass das jetzt gut ausgeht.
Bis zum Ende hin fragt man sich, ob Marco rausbekommt was Wu wirklich vor hat und wie er dann reagiert.
(Spoiler: Und schließlich sagt es ihm Wu ja sogar selbst, während er unserem Helden die Waffe an den Kopf hält und abdrücken will. Spätestens da will man einfach eingreifen, Wu eine rein hauen und Marco aus dem Gefängnis raus holen.) Mit jedem Gegner, sei es Zombie oder Mensch – die auch gefährlich sind – wächst die Anspannung und der Wunsch nach einem glücklichen Happy-End. (Spoiler: Und zum Teil bekommt man das auch. Marco findet seine Frau. Die ist zwar kein Zombie – womit man eigentlich gerechnet hat und man wünschte es sich auch für Marco – aber hat sich anders von ihrem Ehemann abgewandt. Marco, der dann zwar endgültig abschließen kann, scheint uns gar nicht gebrochen, ganz im Gegenteil. Er bricht in ein neues Abenteuer auf. Wir haben hier ein klassisches offenes Ende, das auf mehr hoffen lässt.)

Erotik
Zugegeben die Erotik fehlt in diesem Buch eigentlich komplett. Aber die vermissen wir auch nicht. Marco liefert uns eindrucksvolle Eindrücke in seine Gefühlswelt, wenn er über seine Frau Danielle oder seine Tochter Hannah spricht oder denkt. Was will man auch erwarten, wenn ein Mann eigentlich alleine in einem Land voller Untoter lebt? Da bleibt nicht viel Zeit. Marco ist vollends damit beschäftigt seine Aufträge auszuführen und nicht vom Fleisch zu fallen.

Inhalt/Story
Wie bereits erwähnt bin ich eigentlich kein großer Fan von Zombie-Büchern. Das lieft oft auch daran, dass die Geschichte einfach zu fantastisch und zu erfunden klingt, die Zombies rasende Killermaschinen sind und die Protagonisten sich in die Rolle eines kaltblütigen Massenmörders zwängen.
In „Return Man“ habe ich aber endlich mal eine Handlung gefunden, die mich wirklich überzeugt hat. Ein Mann, der eigentlich mit Waffen überhaupt nichts am Hut hatte entpuppt sich als wahrer Überlebenskünstler, wenn es darauf ankommt. Die Regierung in den Sicheren Staaten ist natürlich korrupt (Spoiler: Wie sich am Ende heraus stellt arbeitet die amerikanische Regierung doch tatsächlich mit China zusammen!), die Zombies sind teilweise etwas unbeholfen können aber auch sehr gefährlich werden, die restlichen Überlebenden in den evakuierten Staaten sind rasende Harakirikiller auf Quads und man kommt Schweiß und blutverkrustet so gerade eben aus der ganzen Sache raus. Sogar der Ursprung der Infektion, die die ganze Sache erst ausgelöst hat, ist schlüssig und scheint logisch. Kein mutierter Tollwutvirus geistert in den Köpfen der Infizierten herum, nein, etwas vollkommen eigenständiges wird hier erklärt. (Spoiler: Zugegeben, dass Ballard den Infektionsstoff an sich selbst ausprobiert hat und er natürlich der Träger eines immunen Teils ist scheint etwas weit hergeholt, rundet die ganze Sache aber ab und sit besonders für Marcos Entwicklung wichtig.)

Nachhaltigkeit
Sicher haben wir hier kein Buch vor uns, dass noch in Hundert Jahren von Zombiebegeisterten gelesen wird. Und es wird vielleicht auch kein Kinofilm. Aber für den eingefleischten Zombie- und Endzeitfan ist „Return Man“ ein Buch, das man sich getrost anschaffen und in einem Rutsch durchlesen sollte.
Wer wissen möchte, wie Amerika im Jahr 2018 aussehen wird – was ja nicht mehr so lange dauert – sollte sich damit behelfen und schon einmal die Sachen packen. 😉

Sprache/Stil/Ästhetik
Zito hat einen wirklich angenehmen Schreibstil. Er schweift nicht in unnütze Beschreibungen irgendwelcher schnöden Landschaften ab, die absolut gar nichts mit der Handlung zu tun haben und bleibt bei dem was wichtig ist. Die Zombies bekommen ein wirklich ansprechendes Bild, verliebte Details lassen auf ehemalige individuelle Menschen schließen und verpassen einem auch ab und an mal eine Gänsehaut, wenn man sich vorstellt, dass diese verkrusteten laufenden Leichen wirklich mal Menschen waren.
Auch, wenn wir mit Marco einen Neurologen als Protagonisten haben schweift die Handlung nicht in medizinische Fachbegriffe ab – lediglich, wenn Ballard versucht zu erklären wie sich der Virus verbreitet; hier spielt Marco aber den Übersetzen, für Wu und für uns.
Die Beschreibung der Zombies und der Kampfszenen lässt in uns ein Bild von diversen Horrorfilmen aufflammen, das sich gut in die Geschichte einfügt und natürlich hinein gehört. Was wäre ein Zombiebuch ohne eine ordentliche Portion Gemetzel und Schlachterei.

Fazit
„Return Man“ hat es meiner Meinung nach mit Recht in meine Favoritenliste geschafft. Die Geschichte reißt einen mit, man erwartet mit angespannten Nerven den nächsten Angriff der Zombies und versucht heraus zu finden, ob Wu Marco nun töten wird oder nicht. Das Ende lässt auf einen vielleicht baldigen zweiten Band hoffen – oh bitte, bitte! – in dem Marco seinen bis dato letzten Auftrag ausführen könnte, den er für die Roger Ballard Sache nach hinten geschoben hat.
Wer sich für Zombieliteratur interessiert und mal nichts in der Art wie „Resident Evil“ oder „The Walking Dead“ lesen möchte ist mit „Return Man“ von V.M. Zito auf der sicheren Seite eine wirklich gute Geschichte vor such zu haben.
Auf das unser Freund Henry Marco in den evakuierten Staaten noch viele Jahre überleben wird!!

 

Kurzer Einblick in das nächste Buch
Titel: Das Leben und das Schreiben
Autor: Stephen King
Klappentext:
„Während der Genesung nach einem schweren Unfall schreibt Stephen King seine Memoiren – Leben und Schreiben sind eins. Ein unverzichtbarer Ratgeber für alle angehenden Schriftsteller und eine Fundgrube für alle, die mehr über den König des Horror-Genres erfahren wollen. Ein kluges und zugleich packendes Buch über gelebte Literatur.“

Und Kühe lieben ihn

Ich hatte noch ein paar Minuten bis meine Bahn kam. Die paar Minuten verbrachte ich natürlich im Buchladen am Hauptbahnhof und da sprang mir dieses Cover in die Augen. Dazu die ergreifenden Worte auf der Rückseite: „Er ist aus Holz. Er kocht einen exzellenten Eintopf. Und Kühe lieben ihn.“ Und schon war es um mich geschehen…

Die Eckdaten
Autor: Michael Poore
Titel: Der raffinierte Mr.Scratch
Verlag: Die deutsche Ausgabe erschien im Bastei Lübbe AG Verlag
Erscheinungsjahr: Original: 2012; vorliegende Ausgabe stammt aus 2014
ISBN: 978-3-7857-6101-4
Preis: 16,99€

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Eine kurze Zusammenfassung
Jeder weiß, dass der Teufel Amerikaner ist. Und das stimmt auch. John Scratch, aus dem Himmel verbannt und von Liebe zerfressen fristet sein Dasein auf der Erde. Führt uns durch die amerikanische Geschichte von den ersten Pilgern in New England, über Benjamin Franklin zu George Washington, John F. Kennedy und zu 9/11. Der Teufel nennt sich John Scratch, kokst kifft, landet mit Frauen im Bett und wickelt Geschäfte ab. Er erfüllt Menschen ihre Träume, doch wer die Bedingungen nicht einhält ist weg vom Fenster. Dennoch ist John Scratch verzweifelt. Er liebt Arden, einen Engel, will sie unbedingt auf der Erde halten und mit ihr glücklich werden. Aber die Erde ist schlecht, kein Ort für einen Engel. Aber der Teufel wäre nicht der Teufel, wenn er nicht alles versuchen würde – und wenn er nicht viele gemeine Dinge tun würde.

Lesbarkeit
Die meisten Kapitel sind relativ kurz gehalten. Dank einer Zwischenüberrschrift weiß man in welche Epoche man sich nun begibt. Sei es nun das 13., das 17. oder 21. Jahrhundert. Der Plot wird um einige Flashbacks herum aufgebaut, die uns zeigen wo und wann der Teufel alias John Scratch tätig war. Wir kehren dennoch immer zu der eigentlich Geschichte um die drei Nebencharaktere Memory Jones, Big Zach und Fish zurück, die sich auf einen Deal mit dem Teufel eingelassen haben, um ihre Lebensträume zu erfüllen. Memory, die unbedingt berühmt werden will, Fish, der unglaublich reich werden will und Zach, der die Welt verändern will. Drei Träume, die wohl jeder von uns kennt und gut nachvollziehen kann. Mittels dieser Wünsche laufen wir durch die Zeit, von Woodstock bis ins Jahr 2005, erleben die Geburt des Internets und der Computerspiele. Alles ein reiner Teufelspakt.

Humor
Jedes Kapitel strotzt vor Humor. Besonders oft erleben wir den Teufel, wie sollte es anders sein, sarkastisch und ironisch. Aber auch in traurigen und sehr emotionalen Situationen kann John nicht anders als wenigstens einen Spruch zu bringen.
Der Teufel bekommt Paroli, muss mit Niederlagen fertig werden und steht nicht selten mit dem Rücken zur Wand. Wir lernen ihn auf einer völlig neuen Art und Weise kennen. Wir haben keinen düsteren Gruftitypen, der in schwarzem Ledermantel durch die Gegend läuft, in einem Flammenmeer erscheint oder von Dämonen begleitet wird. Er raucht Rotkehlchen oder Eichhörnchen, lässt sich mit Frauen ein und fällt auf die Nase, pisst sich sogar mal vor Angst ein. In jedem Kapitel gibt es auf jeden Fall etwas zu lachen und wer ein Freund von Ironie, Sarkasmus und schwarzem Humor ist hat mit diesem Buch einen Glücksgriff gelandet.

Spannung
Im ersten Kapitel wird der Teufel angeschossen, schwebt augenscheinlich in Lebensgefahr und muss sogar Angst vor seiner Geliebten haben. Zum Ende hin erfahren wir wer ihn angeschossen haben, wissen, wie alles zustande gekommen ist und fiebern mit. Zwischenzeitlich wettet der Teufel während einer Schlacht, dass er drei Tage ohne seine Unsterblichkeit leben könnte. Eine schlechte Wette. Man erwischt sich, wie man hofft, dass der Teufel überlebt. Denn seien wir mal ehrlich: Eine Welt ohne den Teufel?
Und genau dazu könnte es zum Ende kommen. Er verliert einen Teil seiner Kräfte, wird von Gott selbst gerettet und muss sich entscheiden. Will er zurück in den Himmel? Will er sein Leben weiter auf der Erde verbringen? Und was ist mit Arden?

Erotik
Der Teufel ist ein kleiner Schlawiner. Er liebt Arden, psychisch und physisch. John Scratch hat oft Sex mit Frauen, läuft ihnen sogar hinterher, vergnügt sich im Wasser und unter freiem Himmel. Aber nirgends finden wir eine detaillierte Beschreibung. Und es funktioniert. Schließlich haben wir keinen Shades of Grey Roman vorliegen, sondern einen lustigen und sehr unterhaltsamen Teufelsroman. Dennoch kommt durch die kleinen Szenen überschwänglicher Liebe die Erotik nicht zu kurz. Und am Ende wartet da sogar eine Überraschung.

Inhalt/Story
Wie bereits erwähnt durchläuft John Scratch in diesem Roman die Geschichte Amerikas. Wir erleben, wie der Teufel missmutig die Landung der weißen Bevölkerung verfolgt, sie anfangs sogar verscheuchen will, wie er Benjamin Franklin zu einer seiner bekanntesten Erfindungen verholfen hat. Und doch verlieren wir niemals die eigentliche Geschichte um Memory, Zach und Fish aus de Augen und kommen immer wieder zu ihnen zurück. Schließlich sind die drei die Angelpunkte um das Weiterleben des Teufels. Es bleibt bis zum Ende spannend und die drei sind für viele Überraschungen gut.

Nachhaltigkeit
Der Roman ist modern geschrieben und durch die Rückblicke in die Vergangenheit macht die ganze Geschichte recht zeitlos. Klar, ein absoluter Klassiker wird der Roman sicherlich nicht, aber ich für meinen Teil werde ihn sicherlich irgendwann noch einmal oder sogar zweimal lesen, weil ich einfach fasziniert von John Scratch bin. Wir haben es hier jedenfalls mit einem Teufelsroman zu tun, der sich mehr als lohnt und in einigen Jahren auch noch ruhigen Gewissens zur Hand genommen werden kann. John Scratch wird mir in den nächsten Wochen nicht mehr aus dem Kopf gehen und ich wünsche mir mehr solcher Bücher, die sich mit dem Teufel als lustigen und teils auch menschlichen Charakter beschäftigen.

Sprach/Stil/Ästhetik
Wie bereits erwähnt sind die Kapitel relativ kurz. Die Sprache ist sehr angenehm, leicht verständlich und spielt mit Wortwitz und Ironie. Je nach Epoche schwankt die Sprache selbstredend, bleibt im Wesentlichen aber stabil und modern. Kurze Sätze erzeugen an den richtigen Stellen Spannung, Beschreibungen bringen Details, die einen in das Geschehen noch stärker einbringen. Wir haben keine derbe Sprache, sie bleibt auf einem sehr guten Niveau, trotz Schimpfwörter, die einfach dazu gehören. Michael Poore hat sich sehr gut auf seinen Roman vorbereitet. Er hat Ahnung von der Materie, die er einbringt und das erleichtert den Lesefluss deutlich.

Fazit
„Der raffinierte Mr.Scratch“ wird seiner adjektivischen Beschreibung vollkommen gerecht. Er ist raffiniert, weiß seine Karten auszulegen und richtig zu spielen. John Scratch hat sich als Teufel entpuppt, dem ich schrecklich gerne einmal begegnen würde und mich in seinen Bahn gezogen hat. Ich werde den Roman auf jeden Fall noch einmal lesen und er hat es vollkommen zurecht in meine Favoritenliste geschafft. Ich kann „Der raffinierte Mr.Scratch“ jedem ans Herz legen, der lachen möchte und die amerikanische Geschichte und den Teufel mal von einer anderen Seite kennen lernen möchte. Michael Poore hat einen Roman vollkommen nach meinem Geschmack erschaffen und ich freue mich mehr von ihm lesen zu können. Vielleicht gibt es ja mal ein Wiedersehen mit dem Teufel.

Kurzer Einblick
Titel: Return Man
Autor: V.M. Zito
Klappentext:
„Der Letzte macht das Licht aus – für immer.
Die Apokalypse ist da. Eine Zombie-Infektion hat sich epidemieartig über den ganzen Westen der USA ausgebreitet. Die Überlebenden haben sich in den Osten gerettet, in die sicheren Staaten von Amerika, während im Westen die Zombies Jagd auf die Menschen machen. Nur ein Mann ist dort geblieben, um im Auftrag der Lebenden den Untoten die letzte Ruhe zu geben: Henry Marco. Dies ist seine Geschichte…“