„Finsternis, Zähne, ein tiefes Zischen und das Klicken scharfer Klauen“

Das Alien Franchise ist diesen Mai um einen Film reicher geworden. „Alien: Covenant“ ist der Nachfolger von „Prometheus: Dunkle Zeichen“ und behandelt auch wieder die Zeitspanne vor Ellen Ripley.
Auch bei den gedruckten Werken sind im Jahr 2014 drei komplett neue Bücher erschienen, deren Handlung abseits der Filme liegen.
„Alien – In den Schatten“
„Alien – Jenseits der Sterne“
und
„Alien – Der verlorene Planet“
sind nun Bestandteil des Universums rund um das skrupellose Unternehmen Weyland(-Yutani) und der Xenomorphs. Allen Ripley und ihre Nachfahren haben ordentlich zu kämpfen, um ihre geliebten Mitmenschen und sich selbst zu retten. Ob ihnen das auch immer gelingt?

Eckdaten

  • Titel: „Alien – In den Schatten“
  • Autor: Tim Lebbon
  • Verlag: Heyne Verlag
  • deutsche Erstausgabe aus 12/2014
  • ISBN: 978-3-453-31561-7
  • Preis: 8,99€

„Irgendetwas kam aus seiner Brust, kroch daraus hervor.“

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„Alien – In den Schatten“ von Tim Lebbon ist siebenunddreißig Jahre nach dem Film „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ einzuordnen. Hauptperson ist, neben der Crew des beschädigten Raumschiffes MARION, Ellen Ripley. Sie strandet in der Rettungskapsel NARCISSUS, bedingt durch einen Kurswechsel, auf der MARION und befindet sich prompt in einem erneuten Kampf um Leben und Tod gegen die Außerirdischen.

Auf dem Planeten LV-178 baut der Konzern Weyland-Yutani das wertvolle Metall Trimonit ab. Bei den Bergbauarbeiten stoßen Arbeiter auf ein scheinbar verlassenes Raumschiff unbekannter Herkunft. Die menschliche Neugier treibt sie natürlich hinein und bei dem Versuch auf die MARION zu fliehen gelangen Xenomorphs auf die Landefähren. Die Crew riegelt daraufhin das komplette Raumschiff ab. Da die MARION beim Aufprall der beiden Landefähren jedoch schwer beschädigt wurde muss die Crew nach LV-178, um geeignete Baustoffe zu organisieren. So nimmt das Schicksal seinen Lauf und Ripley hat allerhand zu tun, um erneut zu überleben.

Was der Android Ash mit der ganzen Sache zu tun hat und wer am Ende überlebt müsst ihr selbst herausfinden.

Der Roman ist einfach und flüssig geschrieben, lässt sich sehr schnell lesen und erfordert nur bedingtes Vorwissen. Wer die Filme (und sei es nur der erste) kennt wird auf jeden Fall auf seine Kosten kommen und sehr viele Details wiederfinden, die liebevoll hineingearbeitet worden sind. Die Charaktere haben Seele und man findet auch sehr schnell seinen Liebling. Definitiv lohnenswert für alle Alien-Fans.


 

Eckdaten

  • Titel: „Alien – Jenseits der Schatten“
  • Autor: James A. Moore
  • Verlag: Heyne Verlag
  • deutsche Erstausgabe aus 10/2015
  • ISBN: 978-3-453-31616-4
  • Preis: 8,99€

„Leider konnte er sie schlecht bitten, etwas weniger Angst zu haben“

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„Alien – Jenseits der Schatten“ von James A. Moore spielt dreihundert Jahre nach den Ereignisse auf LV-426 und der NOSTROMO und damit auch erst nach dem vierten Film „Alien – Die Wiedergeburt“. Ellen Ripleys Nachfahre Alan Decker arbeitet für Weyland-Yutani und hat – wie hm später bewusst wird – eine empathische Verbindung zu den Xenomorphs. Diese spüren in ihm den Nachfahre der „Zerstörerin“ Ellen Ripley und wollen dessen Tod.

Die Handlung spielt sich auf New Galveston ab, der sich als mittlerweile besiedelter Planet LV-178 entpuppt. Alan Decker wird von Weyland-Yutani benutzt um die Aliens und die Artefakte aus dem abgestürzten Raumschiff zu bergen, das bereits in Lebbons Alien-Buch Thema war. Dieses Mal verfolgen wir aber keine Schiffscrew, sondern ehemalige Colonal Marines und Söldner bei ihrem Kampf gegen die Xenomorphs. Auch der Konzern rückt wieder mehr in den Vordergrund und fällt abermals durch die Bemerkung „die Crew ist entbehrlich“ auf. Überhaupt hat die Handlung relativ viel Ähnlichkeit mit den ersten beiden Alien-Filmen.

Der zweite Roman hat mir gut gefallen. Man erfährt recht viel neues zur Geschichte von Weyland-Yutani und deren Machenschaften. Auch die Charaktere haben Sinn und Verstand, aber weniger Geschichte, als in Lebbons Buch. Die Handlungsorte springen von Kapitel zu Kapitel, was den Lesefluss ein wenig stört und ab und an hatte ich meine Schwierigkeiten mich zu erinnern, was mit der Person vorher passiert war, wenn nach etwa zehn Kapitel wieder zu ihr gesprungen wird. Für Alien-Fans dennoch auf jeden Fall empfehlenswert und interessant.


 

Eckdaten

  • Titel: „Alien – Der verlorene Planet“
  • Autor: Christopher Golden
  • Verlag: Heyne Verlag
  • deutsche Erstausgabe von 04/2016
  • ISBN: 978-3-453-31617-1
  • Preis: 8,99€

„Eines Tages würde er auf etwas Beeindruckendes Stoßen“

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„Alien – Der verlorene Planet“ von Christopher Golden spielt direkt vor dem zweiten Alien-Film „Aliens – Die Rückkehr“. Wir lernen Ellen Ripleys Enkelin und deren Familie kennen, die mit anderen Kolonisten auf LV-426, jetzt Acheron, lebt und arbeitet. In Einzelkapiteln haben wir auch Szenen aus dem zweiten Film, in denen Ellen Ripley von dem Weyland-Mitarbeiter Burke befragt wird.

Annie Jorden, Ripleys Enkelin, lebt und arbeitet ziemlich friedlich mit ihrem Mann auf Acheron, bis eines Tages ihr Verflossener als neuer Kommandant dort auftaucht. Zeitgleich bekommen sie von Weyland-Yutani den Auftrag einem Signal nachzugehen, das sie direkt zu genau dem Raumschiff führt, das wir schon aus dem ersten Film kennen. Wie es kommen muss werden zahlreiche Menschen von Facehuggern angegriffen und es dauert nicht lange bis Xenomorphs die ganze Kolonie unsicher machen. Wir haben hier also die Vorgeschichte zum zweiten Film und erfahren, wieso Rebecca alleine dort ist und was mit der ganzen Anlage passiert ist.

Der Roman ist überaus gelungen, obwohl man an vielen Stellen eher das Gefühl hat eine Liebesgeschichte zu lesen. Auch braucht die Spannung etwas bis sie sich wirklich aufgebaut hat und erst zur Mitte des Buches kommen wir mit den Aliens in Kontakt. Aber wir bekommen einen erneut detaillierten Einblick in den Weyland-Yutani Konzern und lernen auch mehr über die Colonial Marines kennen. Als Vorgeschichte zum zweiten Film ist der Roman absolut plausibel und liefert sehr gutes Grundwissen, um im Alien-Franchise zurechtzufinden. Definitiv empfehlenswert.

 

Herr Voland

„Etwas ist in der Dunkelheit und beobachtet mich.“

Mittlerweile sollte ja bekannt sein, dass ich ein Freund von Horrorromanen und insbesondere Geister- und Gespenstergeschichten bin. So suche ich oft nach dem einem neuen fingernägelkauenden gänsehautbringenden Nerventöter, um mich mal so richtig zu gruseln und nachts das Licht eingeschaltet lasse – was bisher leider nie der Fall war. Meine Streifzüge bringen mich meistens in den Buchladen meines Vertrauens oder auch mal auf so unkoschere Händlerseiten wie Amazon, auf der man ein paar Empfehlungen erhält, wenn man sich mal ein Büchlein bestellt. So war es auch mit Oliver Susamis „S3“. Ich kann leider nicht mehr sagen welches Buch ich mir ausgesucht habe, weswegen ich „S3“ als Empfehlung bekommen habe, aber das ist auch überhaupt nicht von Belangen. Wichtig und auch richtig ist und war, dass ich dieses Buch schließlich auch auf die Wunschliste gesetzt habe – und wie es der Zufall so wollte bekam ich es auch zu Weihnachten geschenkt. Ein Hoch auf die moderne Technik und die Möglichkeit Amazon-Wunschlisten mit Freunden und Familie zu teilen.

Eckdaten
Titel: „S3“
Autor: Oliver Susami
Verlag: Amazon Distribution, Leipzig
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN: 9781481079341
Preis: 8,99€

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Kurz zum Buch:
Im Grunde ist die ganze Story recht schlicht und auf den ersten Blick vielleicht nichts Weltbewegendes. Wir verfolgen den Autor in der Ich-Perspektive, wie er zu Beginn einen Gesprächsfetzen zweier Studentinnen mitbekommt, die sich über seltsame Begebenheiten im untersten Geschoss der Uni-Bibliothek unterhalten. Er hat schon mehrere Geschichten über „Unheimliches“ aus S3 gehört und beschließt daraus einfach ein kleines Projekt zu machen. Flyer sind schnell ausgedruckt und auf dem Campus verteilt und es dauert auch nicht lange bis sich die ersten Leute melden, die etwas zu berichten haben. Das Ganz nimmt so langsam Fahrt auf und – neben dem ein oder anderen Scherzbold natürlich – der Ich-Erzähler, Oliver Susami selbst, hat schnell ein paar interessante Interviews gesammelt. Alle erzählen von rund auf verschiedenen Begebenheiten der Ereignissen. Während einer Studentin fast liebevoll über den Kopf gestreichelt wurde hat es der andere im Männer-Klo mit Klopfen, einem heftigen Knall und dem starken Gefühl einer Präsenz zu tun. Andere werden an eine Wand gedrängt, es werden Bücher aus den Händen gerissen oder eine Flasche bewegt sich. Bilder verschwinden aus Geldbörsen, man hört schweres Atmen und Schritte. Doch niemals ist irgendjemand da. Auf S3 ist man abends und nachts ungestört, es ist, als wäre die ganze Außenwelt ausgesperrt, fast kein Tageslicht dringt hinein und lediglich das Rauschen der Lüftung könnte man als nennenswerte Geräusche erwähnen. Vielen ist dort unten unheimlich, viele spüren, dass dort etwas ist, das sie nicht erklären können. Es spukt.
Oliver Susami geht dem nach und beschließt zum Ende hin selbst ein paar Nächte auf S3 zu verbringen (Spoiler: Was er mal lieber nicht getan hätte, denn auch er wird in der dritten Nacht Opfer übernatürlicher Ereignisse. Er fühlt eine Präsenz, ihm wird schwindelig, schwarz vor Augen, wird in einen Raum gedrängt und spürt, dass er beobachtet wird. Er sieht außerdem einen grauen Mann nur ein paar Meter neben sich sitzen, der nur wenige Sekunden später verschwindet.)

Was passiert ist klar: Wir haben es hier mit einer Spukgeschichte zu tun, die man vielleicht schon kennt – oder wenigstens Teile davon. In den meisten Geistergeschichten ist von einer unheimlichen und unsichtbaren Präsenz die Rede, nicht selten wird man angefasst oder es fliegen Gegenstände durch die Gegend. Was macht „S3“ von Oliver Susami also so besonders? Dazu möchte ich zunächst auf den Handlungsort hinweisen. Ich selbst war auch Student und kann bestätigen, dass eine Uni-Bibliothek zu späten Stunden sehr gruselig sein kann. Ich hatte allerdings das „Glück“ – wenn man es so nennen möchte – dass es in meiner kein Untergeschoss gab. Es gab nur das Erdgeschoss und drei Obergeschosse. Hätte es einen Keller gegeben in dem sich auch noch Bücherregale befunden hätten wäre der wohl mein Anlaufpunkt für Grusel und Nervenkitzel gewesen. Das es in einer Universität spukt ist meiner Meinung nach kein Aspekt einer „üblichen“ Geistergeschichte. Und das sich der Spuk auf den unteren Bereich beschränkt fand ich bereits sehr interessant. Hier geht also kein Geist auf dem Campus um, sondern nur auf S3.
Zudem hat mich die Erzählweise sehr fasziniert. Eigentlich bin ich kein großer Freund der Ich-Perspektive und ich vermeide in der Regel Romane oder Erzählungen, die in diesem Format geschrieben wurden, aber hier war das etwas anderes. Da sich das gesamte Buch wie ein Erfahrungsbericht, eine Facharbeit oder auch Dissertation aufgebaut hat hat mich die Ich-Perspektive überhaupt nicht gestört. Ganz im Gegenteil sogar, sie war mehr als erfrischend und passend. Man bekommt einen direkten Bezug zu Geschehen und erlebt praktisch alles aus erster Hand.
Oliver Susami verwendet weiterhin Interviews, die er auf Tonband aufgenommen und schließlich Wort für Wort abgetippt hat. Auch hier haben wir wieder den Eindruck eine wissenschaftliche Arbeit vor uns liegen zu haben und zeitgleich kommt es und vor, als wären wir der Interviewer oder aber säßen direkt neben den Probanden.
Durch die Skizze auf den ersten Seiten, die S3 zeigt, haben wir ein sehr gutes Bild von diesem Teil der Bibliothek und wir können jedem Schritt folgen, den Oliver oder seine „Zeugen“ macht oder gemacht haben. Die Charaktere wirken allesamt authentisch, real, wie ein Nachbar oder Bekannter. Die Erzählweise ist erfrischend. Wir werden nicht mit nutzlosen Details erschlagen, alles beschränkt sich auf das wirklich wichtige. Teilweise hatte ich auch den Eindruck eine gut recherchierte Geisterdoku mitzuverfolgen, als würde ich gerade einen interessanten YouTube-Kanal gefunden haben, der mich mit dem füttert, was mich interessiert: Übersinnliches, Geister, Spuk. Perfekt.

Zugegeben. Auch „S3“ von Oliver Susami hat mich nicht vor Angst schlottern lassen und ich werde auch ruhig schlafen können und noch viele Bibliotheken in meinem Leben besuchen – und wenn die dann Keller haben werde ich mit Freuden hinunter steigen. Aber es gab die ein oder andere Stelle bei der ich dachte: Wow, ja, ja genau so stelle ich mir das vor. Die Ereignisberichte sind realistisch, nichts, von dem man denkt es entspringe einer lebhaften Fantasie. Wir haben hier einen Tatsachenbericht, der sich mit Fakten und Zeugen rational auseinandersetzt. (Spoiler: Bis wir zum Ende kommen und der gute Oliver Susami endlich auch etwas übersinnliches erfährt.)

Herr Voland

Kurzer Einblick in das nächste Buch
Titel: „Wer ist Jeffrey Dahmer – Das schockierende Portrait des Milwaukee-Mörders“
Autor: Robert J. Dvorchak und Lisa Holewa
Klappentext:
„Mit seiner Verurteilung im Februar 1992 ging einer der schaurigsten Prozesse der amerikanischen Rechtsgeschichte zu Ende: Jeffrey Dahmer hatte die Ermordung und grausame Zerstücklung von siebzehn jungen Männern gestanden. Bei seiner Verhaftung waren im Kühlschrank seines Apartments mehrere Schädel entdeckt worden.
Jeffrey Dahmer ist verurteilt, aber der Fall hinterlässt viele Fragen:
Wer ist dieser Mann, der auf die meisten seiner Opfer harmlos, ja nett wirkte?
Was trieb Dahmer zu seinen unfassbaren Taten an?
Warum hat die Polizei ihn – trotz zahlreicher Verdachtsmomente – nicht schon lange vorher gestoppt?
Robert J. Dvorchak und Lisa Holewa, zwei der angesehensten Reporter Amerikas, durchleuchten den Fall Dahmer, seine psychologischen Verästelungen und politischen Folgen.“

„Ein Jucken spür‘ ich, ganz verstohlen. Das Böse kommt auf leisen Sohlen“

Eckdaten
Titel: „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“
Autor: Ray Bradbury
Verlag: Diogenes Verlag
Erscheinungsjahr: Vorliegende Ausgabe aus 1981, erstmalig erschienen in 1962
ISBN: 978-3-257-20866-5
Preis: 9,90€

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Ich hatte schon öfter ein Buch von Ray Bradbury in den Händen und war immer fasziniert von seiner Art mit Worten und Beschreibungen zu spielen. In „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ beweist er sein Geschick mal wieder und lässt mich in eine Welt abtauchen, die einem Tim Burton Film ähnelt.

Ganz kurz zur Story:
Die Jungen William und Jim beobachten des nachts, wie ein schwarzer Zirkus in ihre Stadt kommt. Bereits das Aufbauen des Zeltes gruselt sie und lässt nichts Gutes erahnen. Die Schausteller und Artisten sind allesamt Schreckensgestalten. Da hätten wir beispielsweise ein wandelndes Skelett, eine Staubhexe und später auch Mr.Elektriko. Die Besitzer Mr.Dark und Mr.Cooger beweisen bereits bei ihrem ersten Auftreten, dass mit ihnen nicht zu spaßen ist. Mr.Dark – der Illustrierte Mann – wirkt auf mich wie eine Art Teufel oder Dämon, Mr.Cooger wie ein schrecklicher Gehilfe, der unglaublich stark und erbarmungslos ist.
Mr.Dark besitzt ein Karussell, das besondere Kräfte hat. Fährt man darauf vorwärts altert man bei jeder Runde um ein Jahr. Fährt man rückwärts verliert man mit jeder Runde ein Jahr. Jim ist fasziniert, Will eher entsetzt.
Nachdem die beiden Jungen beobachten, wie Mr.Cooger auf dem Karussell ungewollt immer älter und älter wird und fast stirbt sind sie auf der Flucht vor den Zirkusleuten. Mr.Dark ist ihnen auf den Versen und hat seine Armee Schreckensgestalten im Rücken…

Ray Bradbury fasziniert mich in „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ mit seinem Talent Menschen (oder vermeintliche Menschen) zu beschreiben und Situationen so realistisch wie nur irgend möglich darzulegen, obwohl sie einem abwegig erscheinen. So haben wir bereits beim Aufbau des Zirkuszeltes ein unwirkliches und doch wirkliches Bild vor Augen. Wenn die Planen durch den schwarzen Himmel segeln und die Wagen praktisch zum Leben erwachen haben wir das Gefühl in einem Tim Burton Film gelandet zu sein. Und das hört nicht auf.
Persönlich sehr angetan war ich von der Beschreibung des Mr.Dark, der gleich zu meinem Lieblingscharakter avanciert ist. Eventuell sollte ich mir mal Gedanken darum machen, wieso mir ausgerechnet immer die bösen Antagonisten gefallen, die Ähnlichkeiten mit der Personifizierung des Teufels haben. Aber dazu irgendwann einmal mehr.
„Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ ist kein neues Werk, ist dennoch ein modernes Buch, eine niemals alte Geschichte und weckt auch aktuelle Ängste. Wer hat nicht schon einmal daran gedacht entweder das ein oder andere Jahr überspringen zu können? Oder gerne noch einmal Kind sein? Alles ist möglich, wenn man sich an Mr.Dark wendet und gleich dabei noch seine Seele los werden möchte. Gar kein Problem. Verärgert man den guten Mann jedoch muss man mit seinem Zorn leben und das eigene Portrait landet eintätowiert auf seinen Handflächen, wird zu seiner Marionette.
Zum Glück gibt es Väter, die viel wissen und immer mehr wissen wollen und ihren Söhnen noch glauben. So auch Charles Holloway, der seinem Sohn Will die Geschichte vom schrecklichen Zirkus und Mr.Dark abkauft, der weiß, wie sich die Jungen fühlen und versucht sie zu retten, sich dabei selbst in aller größte Gefahr bringt und alles aufs Spiel setzt. (Spoiler: Und schlussendlich mit einem Lachen im Gesicht siegt. Wortwörtlich.)

Kurzum „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ ist ein Horrorroman der etwas anderen Sorte und sollte gelesen werden, wenn man in eine abstrakte Welt der Zirkusleute, Übersinnlichkeiten und und Horrorvorstellungen tauchen möchte. Bradburys Geschick mit Worten umzugehen, perfekt zu beschreiben und einem Bilder in den Kopf zu setzen, die wir nicht mehr so schnell los werden macht den Roman noch vielschichtiger, einprägsamer, lesenswerter.
Ich bin jedenfalls großer Fan und rechne fest damit diese Geschichte noch sehr oft zu lesen.

Herr Voland

Kurzer Einblick in das nächste Buch
Titel: „S3“
Autor: Oliver Susami
Klappentext:
„Anfang Februar 2008 erzählte mir eine Mitstudentin, ihr sei im Untergeschoss der Universitätsbibliothek, im Buchbereich S3, etwas Unheimliches passiert.
Schon zuvor hatte ich von unerklärlichen Ereignissen in diesem Bereich gehört.
Ich entschloss mich, eine Art „Untersuchung“ zu S3 zu machen. Ich wollte herausfinden, was es mit diesem Bereich auf sich hat.

Zwischen Februar und April 2008 führte ich mehrere Interviews mit Studenten und Mitarbeitern der Bibliothek, sammelte Berichte unheimlicher, unerklärlicher Erlebnisse. Auch verbrachte ich viele Abende alleine auf S3. Es herrscht eine unheimliche Atmosphäre da unten. Es ist dunkler als in anderen Bereichen der Bibliothek, mir kommt es auch kälter vor. Und gerade abends ist es sehr ruhig, stundenlang keine Geräusche. Als gebe es keine anderen Menschen mehr, als wäre man allein auf der Welt.

Mitte April 2008 begann ich von S3 zu träumen. Unter dem Eindruck eines Albtraums entschloss ich mich, keine Interviews mehr zu führen und keine Zeit mehr auf S3 zu verbringen.
Ich wollte Abstand gewinnen.
Doch die Sache ließ mich nicht los. Mittlerweile war ich mir sicher, dass dort unten etwas vor sich geht, etwas Übernatürliches. Es kann einfach nicht sein, dass alle, mit denen ich sprach, mich angelogen haben, dass sich alle Geschichten nur ausgedacht haben. Ich musste wissen, was es mit S3 auf sich hat.

Ende April 2008 verbrachte ich drei Nächte im Untergeschoss der Bibliothek. Seit der dritten Nacht betrete ich S3 nicht mehr.“

Welcher Geist?

Ich liebe Geistergeschichten. Als ich vor ein paar Wochen im hiesigen Bücherladen geschmökert habe und eventuell unterbewusst besonders nach gruseligen Romanen Ausschau gehalten habe fiel mir Richard Laymons „Der Geist“ in die Hände. Der Klapptentext hörte sich wirklich gut an. Ich selbst besitze ein Ouija-Brett und jeder, der auch eines zu Hause hat kann wohl bestätigen, dass man mit diesen Dingern nicht spielen sollte. Okkultismus, Geisterbeschwörung, etc. sind ernst zu nehmende Themen.
Ich war also wirklich gespannt dieses Buch zu lesen.

Eckdaten
Titel: „Der Geist“
Autor: Richard Laymon
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungsjahr: 2014 (deutschsprachige Erstausgabe); englisches Original aus 1991
ISBN: 978-3-453-67649-7
Preis: 9,99€

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Um ehrlich zu sein weiß ich nicht, wie ich anfangen soll. In einigen vorigen Beiträgen habe ich bereits erwähnt, dass ich gerne Gruselgeschichten lese und besonders die um Geister und Dämonen haben es mir sehr angetan. Ich bin immer wieder auf der Suche nach dem Horrorschocker, der mich um den Schlaf bringt und in jeder dunklen Ecke eine Schauergestalt vermuten lässt. Daher ziehen mich meine Streifzüge durch Bücherläden und Bibliotheken immer wie automatisch in die Spannungsecken.
„Der Geist“ von Richard Laymon schien mir eine wunderbare und abwechslungsreiche Lektüre zu sein. Im Klappentext wurden Studenten, ein Ouija-Brett und ein Schatz erwähnt. Gut. Auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt die ideale Storyline für einen echten Gruselroman, aber beim Begriff „Oujia-Brett“ wurde ich hellhörig. Wie bereits oben genannt bin auch ich im Besitz eines solchen Gegenstandes und weiß, dass man mit diesen Brettern nicht leichtfertig umgehen sollte. Studenten, die dieses Brett auf einer Party benutzen wirkten auf mich also wie ideale Opfer eines bösen Geistes, der seine Spielchen mit ihnen treiben wollte. Zunächst scheint auch genau das zu passieren. Der Geist bringt die weibliche Protagonisten dazu ihre Oberteile auszuziehen, was die männlichen Mitstudenten, insbesondere einen gewissen Howard, sehr zukommt. Der Geist verspricht den Studenten einen Schatz, den sie in den Bergen finden sollen und kurzum beschließt die Truppe in der gleichen Nacht noch aufzubrechen. Sehr zum Missfallen der Dozentin in dessen Haus die Studenten mit dem Geist Kontakt aufgenommen haben und der auch das Ouija-Brett gehört. Die Dozentin bekommt außerdem in der selben Nacht noch Besuch vom Bruder ihres verstorbenen Mannes, der natürlich schon von Anfang an in sie verliebt war – und sie selbstverständlich auch in ihn. Die beiden kennen die Gefahren des „Hexenbrettes“ und verfolgen die junge Truppe in die Berge.
Dort werden die Studenten von einem Bodybuilder im Ledertanga angegriffen, der sich auch in den folgenden Stunden nach und nach die weiblichen Studenten schnappen will. Er wird jedoch immer wieder daran gehindert. Während einer weiteren Seance bekommen die jungen Erwachsenen – die sich mehr wie pubertierende Teenager verhalten – weitere Instruktionen, wo sie den Schatz des Geistes, der sich Butler nennt, finden können. In einer verlassenen Mine stoßen sie schließlich auf ein Skelett, das sich später als Butler entpuppt, der obendrein die Mutter einer der Studentinnen ist, und auf eine Sammlung an Höschen, die der Bodybuilder zusammen geklaubt hat.
Gekrönt wird das ganze durch die wohl herzzerreißende Geschichte von der Studentin Angela – „Butlers“ Tochter – die jahrelang von ihrem Stiefvater und dessen Söhne und hinterher noch von einem perversen Alten sexuell missbraucht wurde. Das alles hindert die Gute aber nicht im geringsten ein Verhältnis mit dem notgeilen Howard anzufangen, der gefühlt auf jeder Seite einen Blick auf ihren BH werfen kann.
Das Ende kommt so plötzlich, dass es völlig fehl am Platz erscheint. Die Studenten werden bei der vermeintlichen „Bergung“ des Schatzes aus einem Bus von den früheren Peinigern Angelas erschossen. Howard, der zum mutigen Helden wird rettet sie und eine weitere Mitstudentin und tötet die Männer, die sich noch kurz davor an Angela vergreifen.
Nach diesen ganzen Strapazen (die alles entscheidenden Momente und der Tod der meisten Studentin beschränkt sich im Übrigen auf 27 1/2 von insgesamt 489 Seiten…) kommt am Ende natürlich heraus, dass die Jungs und Mädels gar nicht erst in die Berge hätten fahren müssen, um zu ihrem Schatz zu kommen. Der perverse Alte, bei dem Angela lebte, brach sich nach ihrem Aufbruch beim Fallen das Genick und vermachte seiner „Süßen“ sein ganzes Geld. Pech für die Toten.

Im Allgemeinen empfand ich „Der Geist“ als äußerst schwach. Die Geschichte hat sich im Grunde nur um den sexuellen Missbrauch Angelas und Howards Gier nach Höschen und BH´s beschränkt. In fast jedem Kapitel kam es zu sexuellen Handlungen und auf jeder Seite hatte man das Gefühl einen BH zu sehen – oder wenigstens einen nassen Rücken, der bei dem lieben Howard schon für eine Erektion reichte. Der Geist Butler war fast nicht anwesend. Er bzw. sie wurde nur zu Rate gezogen, wenn die verwöhnten Studenten wissen wollten, wo der Schatz lag. Ansonsten glänzte der Geist durch Abwesenheit.
Gruselig war dieses Buch an keiner einzigen Stelle. Von Richard Laymon bin ich sexuelle Praktiken durchaus gewohnt, aber auch einen gewissen Grad an Horror und auch Schockelementen.
Das einzig gute an dem Roman waren die schönen Beschreibungen der Landschaften. Außerdem bin ich doch sehr auf der Seite des „Arschlochs“ Keith gewesen, der mit seinen Sprüchen wenigstens ab und an mal ein leichtes Schmunzeln auf meine Lippen zaubern konnte. Auch Lana war ganz erfrischend und offen gestanden fand ich es schon etwas schade, dass die sexuellen Handlungen auf Howard und Angela und später auf Corie (die Dozentin) und ihren Schwager Chad beschränkt haben. Keith und Lana wären doch ganz nett gewesen.
Ansonsten kann ich den Roman leider nicht empfehlen. Wer etwas über Geister und Ouija-Bretter lesen möchte sollte andere Bücher wählen. Vielleicht finde ich ja mal eines, das mich wirklich packt und mit sich reißt.

Oder aber ich ziehe mein eigenes Oujia-Brett zu Rate und schreibe selbst einen Roman darüber 😉

Herr Voland

Kurzer Einblick in das nächste Buch
Titel: „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“
Autor: Ray Bradbury
Klappentext:
„Zwei neugierige Jungen, die das Verschwinden eines Mannes aufzuklären versuchen, entdecken das dunkle Geheimnis eines Karussells, in dem auf zerstörerische Weise in das Leben der Fahrgäste eingreifen wird. Ihre Entdeckung bleibt nicht unbemerkt: Auf leisen Sohlen, aber unerbittlich werden die Jungen vom Bösen verfolgt und in die Enge getrieben.“

„Nenn es seltsam. Nenn es geisteskrank. Nenn es, wie auch immer du möchtest. Aber es ist wahr.“

„900 Meilen“ stand auf meiner Wunschliste als Zombieroman weit oben. Zu meinem Geburtstag habe ich dieses Buch von einer lieben Freundin dann auch bekommen und vertiefte mich Anfang Oktober in die Lektüre. Vorab habe ich viel Gutes gehört, wollte aber zum Großteil unvoreingenommen an die ganze Sache heran gehen. Und zum Glück ist mir das auch gelungen.
Wer das Buch lesen und keiner “Spoilergefahr” ausgesetzt sein möchte: Mögliche Spoiler sind in Klammern gesetzt und sollten von euch dann nicht beachtet werden. 😉

Eckdaten
Titel: „900 Meilen“
Autor: S. Johnathan Davis
Verlag: LUZIFER-Verlag
Erscheinungsjahr: 2014 – Deutsche Erstausgabe
ISBN: 978-3-943408-24-9
Preis: 13,95€

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S. Johnathan Davis´ Roman hat mir im Großen und Ganzen wirklich sehr gut gefallen. Das Buch lässt sich leicht lesen, beschränkt sich auf seinen knapp 280 Seiten auf das Wesentliche und überlässt viel der Fantasie des Lesers. Wir bekommen einen schönen Einblick in die beiden Protagonisten John und Kyle, ziehen mit ihnen durchs Land und metzeln gemeinsam die Untoten nieder.
Wir sind uns schnell einig, dass dieses Duo jede Gefahr bestehen und John sich seinen Weg zu seiner Frau Jenn bahnen wird, die 900 Meilen von ihm entfernt ist – hochschwanger.

Der Roman ähnelt in vielen Dingen anderen Zombieromanen. Wir haben die unerschrockenen Kämpfer, die sich Waffen besorgen, um zu überleben. Wir haben alle Arten von Zombies, die man sich vorstellen kann – ob es nun Kriecher, Greifer, Langsame oder Schnelle sind. Und wir haben den Protagonisten, der ein Ziel hat und der von einem Ex-Soldaten begleitet wird.
„900 Meilen“ lässt außerdem die Frage offen, wie es urplötzlich zu dieser Apokalypse kommen konnte.
Während John im Büro in New York sitzt prasseln auf einmal Nachrichten von auferstandenen Toten auf ihn ein und er sieht sich mit der schrecklichen Wahrheit konfrontiert, dass seine Frau mit ihrem gemeinsamen Kind am anderen Ende des Landes sitzt. Zum Glück für ihn arbeitet in dem Gebäudekomplex auch Kyle, der Ex-Soldat, der nun seinem Leben als Sicherheitsbeamter entgehen kann. Und selbstverständlich haben wir auch einen weiteren Kollegen, der die beiden Helden erst einmal auf dem Dach sitzen lässt und seinen eigenen Hintern in Sicherheit bringt. (Spoiler: Da empfindet man kaum Trauer, wenn eben dieser Kollege später von Zombies auf einem schicken Golfplatz in Stücke gerissen wird)
Während sich John und Kyle natürlich dennoch retten können und den gelben Hummer von Johns Chef krallen finden sie auf ihrem Weg zu Jenn einen weiteren Mitstreiter, der sich als Michael vorstellt. Michael berichtet von einer Utopie namens Avalon, die Schutz für jeden bietet, der eine Eintrittskarte hat. Diese Wendung des Geschehens hat mich recht stark an den Film „2012“ erinnert und sollte sich später als kleine Adaption an „Mad Max“ entpuppen.
John und Kyle beschließen Michael nach Avalon zu bringen, damit sie von dort aus neu ausgerüstet Jenn suchen können.
Avalon ist jedoch nicht das, was es verspricht. Wer gegen die Regeln verstößt muss in der „Arena“ gegen angriffslustige Zombies kämpfen und wie es das Schicksal will müssen auch Kyle und John ran. Michael ist natürlich nicht der für den er sich ausgibt und wird von dem Boss der Anlage, Gordon, in einen Zombie verwandelt – der mit allerhand tödlicher Instrumente ausgestattet ist. Gegen ihn und viele weitere Zombies müssen John und Kyle also antreten – haben dabei allerdings Unterstützung von drei Mitgefangenen.
Wie das alles zustande kommt und wieso sie schließlich aus Avalon fliehen müsst ihr aber selber lesen 😉

Der rasante Schreibstil, die moderne Wortwahl – mit zugegeben nicht wenigen Schimpfwörtern – und der schnelle Ortswechsel lassen den Roman zügig lesen. Wie bereits erwähnt wird vieles der Fantasie des Lesers überlassen, was mir persönlich sehr gefallen hat.
Das Ende kommt zwar sehr vorhersehbar, bleibt aber offen und so kann man selber weiterspinnen, was aus John und Kyle schlussendlich wird. „900 Meilen“ ist ein wirklich lohnenswerter Zombieroman, kommt meiner persönlichen Meinung nach allerdings nicht an V.M. Zitos „Return Man“ heran.
Ich weiß leider auch nicht, ob es nur an meiner Ausgabe lag oder, ob da schlichtweg einfach nicht ordentlich drüber gelesen wurde, aber in meiner Ausgabe haben sich doch wirklich viele grammatikalische Fehler eingeschlichen. Ab und an wurden auch ganze Wörter vergessen. Das hat meinen eigenen Lesefluss zwar nicht sehr gestört, fiel mir aber dennoch immer wieder ins Auge.

Trotzdem möchte ich „900 Meilen“ jedem empfehlen, der sich für Zombieromane interessiert und gerne solche liest. In meinem Regal werden auch in Zukunft noch einige landen.

Herr Voland

Kurzer Ausblick auf das nächste Buch
Titel: „Schattenjunge“
Auto: Carl-Johan Vallgren
Klappentext:
„Stockholm 1970.
Ein Junge verschwindet spurlos von einem Bahnsteig.
Stockholm 2012.
Auch sein Bruder verschwindet unter mysteriösen Umständen.

Danny Katz wird von der Frau des Verschwundenen auf den Fall angesetzt. Und er ist nicht allein.
Je tiefer er in die Machenschaften eines mächtigen Familienimperiums eintaucht, umso komplexer wird der Fall.“

„Das Haus nebenan ist heimgesucht[…]“

Ich liebe Horrorfilme und Horrorromane. Ganz besonders gerne verliere ich mich in alten Geschichten, die nichts mit dem Splatter-Wahn unserer neuen Generation zu tun hat. Ich schätze Filme und Bücher bei denen einem die Nackenhaare zu Berge stehen, man lieber das Licht an lässt und das Herz aussetzt.
Zu Anne Rivers Siddons´ Roman „Das Haus nebenan“ bin ich über einige Umwege gekommen. Den Film von 2006 kannte ich schon etwas länger und wusste auch, dass er auf einen Roman beruht. Dennoch fiel mir der erst wieder ein, als ich ihn im Öffentlichen Bücherschrank an der Düsseldorfer Rheinpromenade fand und mit nach Hause nahm.
Wer das Buch lesen und keiner „Spoilergefahr“ ausgesetzt sein möchte: Mögliche Spoiler sind in Klammern gesetzt und sollten von euch dann nicht beachtet werden 😉

 

Die Eckdaten
Autor: Anne Rivers Siddons
Titel: Das Haus nebenan
Verlag: Die deutschsprachige Ausgabe erschien im Goldmann Verlag
Erscheinungsjahr: Original: 1978, vorliegende Ausgabe stammt aus 1994
ISBN: 3-442-08116-5
Preis: Damal 12,90DM

 

Kurze Zusammenfassung
Colquitt und Walter Kennedy leben in eine geruhsamen Vorort von Atlanta. Neben ihrem Haus befindet sich ein Waldstück, auf dem der Architekt Kim Dougherty für den jungen Anwalt Harralson und seine Frau Pie eine Villa baut. Aber das Traumhaus entpuppt sich nur zu schnell als Ort des Bösen: Abgeschlachtete Tiere liegen im Garten, und dann verliert Pie ihr Baby im siebten Monat. Das Haus nebenan ist neu, elegant und grausam. Und dann beginnt Walter und Colquitt langsam zu dämmern, dass sie seine nächsten Opfer sein sollen. (aus dem Roman entnommen)

Lesbarkeit
„Das Haus nebenan“ ist einiges dieser Bücher, die man einfach nicht aus der Hand legen sollte. Nicht nur, weil sich die Geschichte ins Gehirn brennt und einem verstohlene Blicke auf das eigene Nachbarhaus werfen lässt. Sondern auch, weil man es wirklich am Stück lesen kann. Zu empfehlen ist ohnehin, dass man die Geschichten der einzelnen Familien an einem Stück ließt, damit einem diese merkwürdigen „Zufälle“ ins Auge springen und man sich Colquitts spätere Theorie logisch erklären kann.
Insgesamt lässt sich dieser Roman recht gut lesen. Auch, wenn man bei manchen Beschreibungen oder Ausschweifungen seitens Colquitt manchmal gerne überblättern möchte weiß man instinktiv, dass alles, was sie uns aus ihrer Sicht präsentiert wichtig ist.
Der Roman ist in drei große Kapitel mit jeweils unterschiedlicher Unterkapitelanzahl gegliedert. Man verfolgt die Geschichten der drei Familien aus Colquitts Ich-Perspektive, die in das Haus neben den Kennedys einziehen. Wir beobachten, wie das Haus aufgebaut wird, wie Leute einziehen und – zum Teil – ausziehen. Mit nicht überraschend vielen Adjektiven wird das Haus beschrieben, wir können es uns sehr gut vorstellen, hören es schon fast atmen. Einzig und allein die ab und an starken Abbrüche zwischen einzelnen Unterkapiteln hätte ich zu kritisieren, die man aber auch gut überlesen kann.

Humor
Man sollte meinen in einem Horrorroman hätte so etwas wie Humor nichts zu suchen. Dem kann ich jedoch nur erwidern, dass sich Humor auch auf düstere Art un Weise gut in einen solchen Roman einbauen lässt. In „Das Haus nebenan“ hätten wir beispielsweise oft bissige Kommentare, zynische Bemerkungen und ab und an auch wirklich kleine Passagen zum aufrichtigen Schmunzeln. Manche Charaktere kommen uns schrecklich eingebildet vor – wie beispielsweise Pie Harralson – und andere lassen sich auf das schreckliche Klischee einer typischen amerikanischen Vorstadt anwenden. Dennoch belaufen sich diese kurzen Humorabschnitte auf einige wenige und lassen das eigentliche Thema – nämlich das Haus nebenan – nicht in den Schatten weichen.

Spannung
Oh Freunde, die Spannung lässt in diesem Roman wirklich nicht zu Wünschen übrig. Gebannt verfolgen wir den Untergang der drei Familien, sind teils wirklich geschockt über die Vorkommnisse und können uns ein waschechtes Gruseln ab und an nicht verkneifen Wer ein Herz für Tiere hat wird gleich zu Beginn mit entsprechenden kuscheligen Kadavern konfrontiert (Spoiler: Muss am Ende sogar mit dem Tod der beiden Kennedy Katzen fertig werden. Wirklich unschön. Die armen Geschöpfe).
Für mich hat sich die richtige Spannung besonders bei der letzten Familie aufgebaut, die in das Haus eingezogen ist. Die Greenes sind einem – oder jedenfalls mir – von vornherein irgendwie suspekt. Da man die Vorgeschichte des Hauses verfolgt hat kann man sich denken, was mit ihnen passieren wird und zum ersten Mal ist auch ein Kind betroffen. (Spoiler: Außerdem „tötet“ das Haus zum ersten Mal – und das gleich dreifach) Wenn sich die Kennedys schließlich an die Öffentlichkeit wenden scheint die Spannung ein wenig zu kippen, wir bekommen mit, wie das Paar von ihren damaligen Freunden missachtet wird, wie es terrorisiert wird und ein Leben nur noch für sich führt. Das ändert sich jedoch mit dem Wiederauftauchen von Kim Dougherty, dem Architekten des Hauses, der sich nach dem Fertigbau nach Europa absetzte, weil seine Kreativität mit einem Mal wie ausgelöscht schien. (Spoiler: Colquitt vermutet, dass das einzig und allein dem Haus zu verschulden ist. Als Kim ihr und Walter schließlich unterbreitet er wolle in das Haus mit seiner Verlobten Hope einziehen kommt sie zu einem Entschluss. Zusammen mit Walter will sie das Haus verbrennen. Im Epilog erfahren wir, dass der ehemalige Partner von Kim nach dessem Tod die Pläne für das Haus an ein anderes Paar weitergegeben hat. Das Grauen geht weiter.)

Erotik
Zugegeben, die Kennedys führen eine wirklich sehr erfüllende kinderlose Ehe. Sie schlafen oft miteinander, was dem Leser jedoch nicht aufs Auge gedrückt wird. Vielmehr bekommen wir durch das Haus nebenan einen Einblick in „erzwungene“ Erotik, als sich bei der Einweihungsparty der Harralsons zwei Männer im Schlafzimmer lieben. Auch bei der nächsten Familie, der Sheehans, kommt es zu einem außerehelichen Eklat in dem Haus (Spoiler: Wir erleben durch Colquitt, wie sich eine ihrer beste Freundinnen mit Buck Sheehan auf dem Sofa vergnügt) und selbst die Kennedys selbst bleiben nicht verschont. Als sich Colquitt und Kim im Wohnzimmer des Hauses küssen werden sie von Walter erwischt. Das zeigt ihnen endgültig, das mit dem Haus etwas nicht stimmt.

Inhalt/Story
Fast jeder von uns kennt eine Geschichte über ein Haus in dem es spukt. „Das Haus nebenan“ ist eine weitere Geschichte in dieser Kategorie. Aber dennoch etwas vollkommen anderes. Wir haben hier ein neues, elegantes Haus direkt in einem Vorort. Es führt kein einsamer Weg zu einer verfallenen Villa, mit zugenagelten Fenstern und quietschenden Treppenstufen. Dieses Haus wird direkt vor unserer Nase neu gebaut und strotzt nur so vor Energie. Durch Colquitt erfahren wir, wie sich diese böse Aura ausbreitet, wie sie sich nährt und alles zerstört, was einem am Herzen liegt. Auch Colquitt und Walter bleiben nicht verschont und müssen mit ansehen, wie sich ihr Leben stark verändert. Wir befinden uns nicht im 19. Jahrhundert, sondern in der guten Neuzeit. Es zeigt uns, dass auch moderne Gruselgeschichten wirklich gut und durchdacht sein können.

Nachhaltigkeit
Anne Rivers Siddons´ Roman ist sehr bekannt und jeder, der etwas von guter Horrorliteratur hält sollte es einmal gelesen haben. Den Film kann man sich auch guten Gewissens ansehen ohne dabei zu denken, wie schändlich die Thematik des Romans doch behandelt wurde. Nein, die Verfilmung ist tatsächlich ziemlich gut.
Ich bin mir sicher, dass dieses Buch auch in den weiteren vierzig Jahren noch Anklang finden wird und Stoff für mehr Spukhaus-Geschichten dieser Art liefert.

Sprache/Ästhetik/Stil
Der Roman ist in der Ich-Perspektive verfasst und lässt uns so die gesamte Geschichte aus Colquitts Sicht verfolgen. Das tut der Spannung keinen Abbruch und lässt uns dadurch auch nicht weniger in die Thematik einfließen. Nein, wir können so sogar aus erster Hand sozusagen den Verfall einer gesamten Straße beobachten. Es ist, als wenn wir selber neben diesem Haus wohnen würden und wir das Leid und die Tragödien aus erster Hand erfahren.
Dass der Roman in die drei Geschichten der Familien unterteilt ist erleichtert uns vieles und so können wir gemeinsam mit Colquitt dieses Haus verfluchen.

Fazit
Anne Rivers Siddons´ Roman „Das Haus nebenan“ ist gleichermaßen eine typische, wie aber auch eine vollkommen untypische Gruselgeschichte. Mir stand zwar nicht oft der kalte Angstschweiß auf der Stirn, aber dennoch habe ich gebannt die Geschichte rund um Colquitts Nachbarschaft verfolgt. Das Ende lässt zwar einige Fragen offen, aber man ist sich dennoch sicher einen wirklich guten Roman gelesen zu haben, den man getrost andere Leuten empfehlen kann, die mal eine etwas andere Spukhausgeschichte lesen möchten.
Ich kann nur sagen, dass ich dieses Buch jederzeit wieder lesen würde und mir sicher bin, dass man beim zweiten Mal sogar einige Elemente mehr entdeckt, die einem bei ersten Mal nicht aufgefallen sind. Zwar landet der Roman nicht in meiner Favoritenliste, ihn gelesen zu haben hat mir dennoch viel Freude bereitet, wenn man das bei einem Horrorroman sagen kann.

 

Kurzer Einblick in das nächste Buch
Titel: Blaue Augen bleiben blau – Mein Leben
Autor: Balian Buschbaum
Klappentext:
>>Mein Leben ist glücklich und erfolgreich, bis auf die Tatsache, dass ich im falschen Körper wohne.<<
Mit diesen Worten kündigt die erfolgreiche Stabhochspringerin Yvonne Buschbaum ihre bevorstehende Geschlechtsumwandlung an. Für Balian, wie er sich fortan nennt, ist das der letzte konsequente Schritt auf dem Weg zu seiner wahren Identität, für den er sogar die Olympia-Teilnahme opfert. Einfühlsam und mitreißend schreibt er von seinem Leben als Mann in einem Frauenkörper und seiner Befreiung daraus. Wie kein anderer hat Balian Buschbaum erfahren, wie Frauen und Männer denken und fühlen und was sie unterscheidet.“