Sie ängstigen und faszinieren zugleich

Wann ich angefangen habe mich für Serienmörder zu interessieren weiß ich nicht mehr. Wieso ich sie interessant finde weiß ich dafür umso besser: Der Gedanke jemanden zu töten, zu ermorden also, schreckt ab. Gleichzeitig – und da bin ich ehrlich – habe ich mich schon immer gefragt, wie sich das wohl anfühlen mag. Serienmörder sind genau diese Personen die das wissen. Sie begehen das schlimmste Verbrechen, das man begehen kann – und zwar mehrfach.
Und ein kleines Geständnis noch gleich hinterher: Besonders fasziniert mich der US-amerikanische Serienmörder Jeffrey Dahmer, der genau heute, am 21.Mai, 75 Jahre alt geworden wäre.

Eckdaten
Titel: „Das Hannibal-Syndrom – Phänomen Serienmord“
Autor: Stephan Harbort
Verlag: Piper VerlagGmbH, München
Erscheinungsjahr: erstmals erschienen in 2003, vorliegende Ausgabe aus 2014
ISBN: 978-3-492-23650-8
Preis: 9,99€

Hannibal Snydrom

Jeder von uns kann wohl mindestens einen Serienmörder beim Namen nennen und fast jeder wird sicherlich das ein oder andere Gesicht im Kopf haben, wenn ich jetzt Männer wie Charles Manson, Richard Ramirez, Ted Bundy, John Wayne Gacy oder Jeffrey Dahmer erwähne. Es fällt auf, dass alle diese Männer US-Amerikaner sind. Dabei ist Serienmord kein amerikanisches Phänomen. Auch hier in Europa gibt und gab es viele Männer und Frauen, die mehrfach getötet haben. Da wären zum Beispiel Alexander Jurjewitsch Pitschuschkin und Andrei Romanowitsch Tschikatilo aus Russland, Anatolij Onoprijenko aus der Ukraine, Michel Fourniret und Joseph Vacher aus Frankreich, Harold Shipman und Robert Black aus Großbritannien, Roger Andermatt aus der Schweiz, Donato Bilancia aus Italien und viele weitere. Man sollte also nicht auf die Idee kommen zu behaupten Serienmord käme nur in den USA vor. So ist es keineswegs. Es mag einem durch Serien wie „Criminal Minds“ vielleicht so vorkommen und wenn man vom Serienmord redet werden meistens US-amerikanische Mörder genannt, aber wir sollten nicht vergessen, dass es auch hier genau solche Verbrecher gibt, die nicht davor zurück schrecken mehrere Menschen zu töten, ihnen das Leben zu nehmen und die Angehörigen ins Unheil zu stürzen.

Stephan Harbort geht in seinem Buch „Das Hannibal-Syndrom“ auf viele unterschiedliche Serienmörder in Deutschland der Nachkriegszeit ein. Wir lernen Menschen kennen, denen wir im Normalfall keine Beachtung schenken würden hätte sie nicht eines getan: in Serie gemordet. Karl Grohlmann, Thorsten Rupp, Knut Storbeck, Jürgen Knoll, Harald Schmalz. Das sind nur einige wenige Männer, die in Harborts Buch behandelt werden. Männer, die getötet haben und dabei die unterschiedlichsten Motive hatten. Bei dem einen war es einfach das Interesse an der menschlichen Anatomie, das überhand genommen hat. Bei dem anderen wiederum war es der Kick einen Menschen sterben zu sehen. Beim Dritten wiederum ging es einfach darum lästige Personen aus dem Weg zu haben. Die meisten verspürten ein „seltsames Kribbeln“ oder „einen inneren Willen“. Sie mussten töten. Mord hat viele Motive und dennoch bleibt ein Mord eben ein Mord. Man nimmt einem anderen Menschen das Leben.

Wir bekommen einen Einblick in die Denkweise der Männer und Frauen, erfahren, wie und wen sie getötet haben, erleben die Polizeiarbeit mit. Wir lernen vieles über die Herangehensweise der Gesetzeshüter im Falle eines Mordes und schließlich auch eines Serienmordes. Krimiserien verschaffen uns ein falsches Bild von Profilern und dem „psychopathischen Mörder“. Allerdings sollte uns das klar sein.
Stephan Harborts Buch arbeitet selten mit Fachbegriffen und wenn werden diese erklärt, wir fühlen uns zu keinem Zeitpunkt überfordert – jedenfalls nicht, was die Sprache betrifft.
Man sollte dieses Buch wirklich nur dann lesen, wenn man sich wirklich mit Serienmördern und ihren Geschichten auseinandersetzen möchte und es auch verkraften kann Dinge zu lesen, die wir uns nicht einmal im Traum ausmalen möchten. Zartbesaitete sollten also zu einem Liebesroman greifen.

In 15 Kapiteln lernen wir rund 20 deutsche Serienmörder kennen. Mit manchen hat Harbort auch persönlich gesprochen und Auszüge aus diesen Treffen finden sich im Buch wieder. Mit anderen herrschte Briefkontakt und andere wollten sich überhaupt nicht äußern. Dennoch erfahren wir sehr viel über die Person hinter dem Serienmörder. Die Kindheit und Jugend wird beleuchtet, der schulische und berufliche Werdegang spielt nicht selten eine Rolle. Die ersten Anzeichen einer gewissen – meist sexuellen – Abnormität werden beschrieben. Erschreckend ist, dass viele Serienmörder schon viel früher hätten gefasst werden können. Einige von ihnen wurden bereits durch andere Straftaten auffällig. Dennoch ist klar, dass man nicht in den Kopf eines Menschen hineinsehen kann.
Interessant ist obendrein auch, dass die wenigsten Serienmörder – die Zahl geht verschwindend gen 0 – überdurchschnittlich intelligent sind. Dabei denkt man doch oft, dass gerade diese Leute einen höheren IQ aufweisen müssen. Wie sonst können sie teilweise jahrelang ungestört morden und keine auf sie zurückzuverfolgenden Spuren hinterlassen? Die Lösung ist so einfach, wie auch brillant: Glück und Anonymität. In unserer heutigen Zeit achtet keine mehr wirklich auf seinen Mitmenschen. Ja, könnten wir sagen was unser Nachbar, dem wir jeden Tag im Hausflur begegnen in seiner Freizeit tut? Könnten wir sagen, wieso der Arbeitskollege so still ist und lieber für sich bleibt?
Serienmörder fallen durch ihre Unauffälligkeit auf. Sitzen sie im Gerichtssaal würde man nicht vermuten einen Mörder vor sich zu haben. Sie sehen ganz normal aus, wie du und ich. Sie haben keinen wahnsinnigen Blick. Sie wirken nicht wie Psychopathen (sieht man von ein paar Einzelfällen ab).

Stephan Harbort arbeitet mit Statistiken, Zahlen, Daten, Fakten. Der gesunde Menschenverstand versucht zu erklären wie ein Mensch auf die Idee kommen kann einen anderen Menschen zu töten. Wir lesen von Personen, die wir alle kennen könnten und die ein mehr als dunkles Geheimnis haben.
Deutschland, das Land der Dichter und Denker – und der Serienmörder.

Herr Voland

Kurzer Einblick in das nächste Buch
Titel: „100 things Red Sox fans should know & do before they die“
Autor: Nick Cafardo
Klappentext:
„Most Boston Red Sox fans have taken in a game or two at Fenway Park, have seen highlights of Bill Buckner´s Game 6 nightmare, and have heard the story of Carl Yastrzemski´s Triple Crown season. But only real fans have visited McCoy Stadium in Pawtucket, can recite all the lyrics to „Tessie“, or know which 12 Red Sox players have won American League batting titles.
100 things Red Sox fans should know & do before they die is the ultimate resource guide for true fans of the Boston Red Sox. Whether you´re a die-hard booster from the days of Ted Williams or a recent supporter of Terry Francona, Dustin Pedroia, and Kevin Youkilis, these are the 100 things all fans need to know and do in their lifetime. Longtime Boston sportswriter Nick Cafardo has collected every essential piece of Red Sox knowledge and trivia, as well as must-do activities, and ranks them all from 1 to 100, providing an entertaining and easy-to-follow checklist as you progress on your way to fan superstardom.“

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Ein Gedanke zu “Sie ängstigen und faszinieren zugleich

  1. Huhu, ich kann deine Faszination für Serienmörder durchaus nachvollziehen, denn ich kenne sie ebenfalls. Manche finden das wirklich krank, aber ich hab schon immer alles verschlungen, was mit diesem Thema zu tun hat.
    Daher ist auch Stephan Harbort für mich kein Unbekannter. Trotzdem hatte ich viel Spaß beim Lesen deiner Rezension. Das eine oder andere Werk vom Autor fehlt mir noch und nachdem ich nun deine Rezi gelesen habe, wird es wohl nicht lange dauern, bis ich wieder zu einem seiner Bücher greife….

    Viele liebe Grüße
    Nelly von Nellys Leseecke

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