„Etwas ist in der Dunkelheit und beobachtet mich.“

Mittlerweile sollte ja bekannt sein, dass ich ein Freund von Horrorromanen und insbesondere Geister- und Gespenstergeschichten bin. So suche ich oft nach dem einem neuen fingernägelkauenden gänsehautbringenden Nerventöter, um mich mal so richtig zu gruseln und nachts das Licht eingeschaltet lasse – was bisher leider nie der Fall war. Meine Streifzüge bringen mich meistens in den Buchladen meines Vertrauens oder auch mal auf so unkoschere Händlerseiten wie Amazon, auf der man ein paar Empfehlungen erhält, wenn man sich mal ein Büchlein bestellt. So war es auch mit Oliver Susamis „S3“. Ich kann leider nicht mehr sagen welches Buch ich mir ausgesucht habe, weswegen ich „S3“ als Empfehlung bekommen habe, aber das ist auch überhaupt nicht von Belangen. Wichtig und auch richtig ist und war, dass ich dieses Buch schließlich auch auf die Wunschliste gesetzt habe – und wie es der Zufall so wollte bekam ich es auch zu Weihnachten geschenkt. Ein Hoch auf die moderne Technik und die Möglichkeit Amazon-Wunschlisten mit Freunden und Familie zu teilen.

Eckdaten
Titel: „S3“
Autor: Oliver Susami
Verlag: Amazon Distribution, Leipzig
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN: 9781481079341
Preis: 8,99€

IMG_20150204_141957

Kurz zum Buch:
Im Grunde ist die ganze Story recht schlicht und auf den ersten Blick vielleicht nichts Weltbewegendes. Wir verfolgen den Autor in der Ich-Perspektive, wie er zu Beginn einen Gesprächsfetzen zweier Studentinnen mitbekommt, die sich über seltsame Begebenheiten im untersten Geschoss der Uni-Bibliothek unterhalten. Er hat schon mehrere Geschichten über „Unheimliches“ aus S3 gehört und beschließt daraus einfach ein kleines Projekt zu machen. Flyer sind schnell ausgedruckt und auf dem Campus verteilt und es dauert auch nicht lange bis sich die ersten Leute melden, die etwas zu berichten haben. Das Ganz nimmt so langsam Fahrt auf und – neben dem ein oder anderen Scherzbold natürlich – der Ich-Erzähler, Oliver Susami selbst, hat schnell ein paar interessante Interviews gesammelt. Alle erzählen von rund auf verschiedenen Begebenheiten der Ereignissen. Während einer Studentin fast liebevoll über den Kopf gestreichelt wurde hat es der andere im Männer-Klo mit Klopfen, einem heftigen Knall und dem starken Gefühl einer Präsenz zu tun. Andere werden an eine Wand gedrängt, es werden Bücher aus den Händen gerissen oder eine Flasche bewegt sich. Bilder verschwinden aus Geldbörsen, man hört schweres Atmen und Schritte. Doch niemals ist irgendjemand da. Auf S3 ist man abends und nachts ungestört, es ist, als wäre die ganze Außenwelt ausgesperrt, fast kein Tageslicht dringt hinein und lediglich das Rauschen der Lüftung könnte man als nennenswerte Geräusche erwähnen. Vielen ist dort unten unheimlich, viele spüren, dass dort etwas ist, das sie nicht erklären können. Es spukt.
Oliver Susami geht dem nach und beschließt zum Ende hin selbst ein paar Nächte auf S3 zu verbringen (Spoiler: Was er mal lieber nicht getan hätte, denn auch er wird in der dritten Nacht Opfer übernatürlicher Ereignisse. Er fühlt eine Präsenz, ihm wird schwindelig, schwarz vor Augen, wird in einen Raum gedrängt und spürt, dass er beobachtet wird. Er sieht außerdem einen grauen Mann nur ein paar Meter neben sich sitzen, der nur wenige Sekunden später verschwindet.)

Was passiert ist klar: Wir haben es hier mit einer Spukgeschichte zu tun, die man vielleicht schon kennt – oder wenigstens Teile davon. In den meisten Geistergeschichten ist von einer unheimlichen und unsichtbaren Präsenz die Rede, nicht selten wird man angefasst oder es fliegen Gegenstände durch die Gegend. Was macht „S3“ von Oliver Susami also so besonders? Dazu möchte ich zunächst auf den Handlungsort hinweisen. Ich selbst war auch Student und kann bestätigen, dass eine Uni-Bibliothek zu späten Stunden sehr gruselig sein kann. Ich hatte allerdings das „Glück“ – wenn man es so nennen möchte – dass es in meiner kein Untergeschoss gab. Es gab nur das Erdgeschoss und drei Obergeschosse. Hätte es einen Keller gegeben in dem sich auch noch Bücherregale befunden hätten wäre der wohl mein Anlaufpunkt für Grusel und Nervenkitzel gewesen. Das es in einer Universität spukt ist meiner Meinung nach kein Aspekt einer „üblichen“ Geistergeschichte. Und das sich der Spuk auf den unteren Bereich beschränkt fand ich bereits sehr interessant. Hier geht also kein Geist auf dem Campus um, sondern nur auf S3.
Zudem hat mich die Erzählweise sehr fasziniert. Eigentlich bin ich kein großer Freund der Ich-Perspektive und ich vermeide in der Regel Romane oder Erzählungen, die in diesem Format geschrieben wurden, aber hier war das etwas anderes. Da sich das gesamte Buch wie ein Erfahrungsbericht, eine Facharbeit oder auch Dissertation aufgebaut hat hat mich die Ich-Perspektive überhaupt nicht gestört. Ganz im Gegenteil sogar, sie war mehr als erfrischend und passend. Man bekommt einen direkten Bezug zu Geschehen und erlebt praktisch alles aus erster Hand.
Oliver Susami verwendet weiterhin Interviews, die er auf Tonband aufgenommen und schließlich Wort für Wort abgetippt hat. Auch hier haben wir wieder den Eindruck eine wissenschaftliche Arbeit vor uns liegen zu haben und zeitgleich kommt es und vor, als wären wir der Interviewer oder aber säßen direkt neben den Probanden.
Durch die Skizze auf den ersten Seiten, die S3 zeigt, haben wir ein sehr gutes Bild von diesem Teil der Bibliothek und wir können jedem Schritt folgen, den Oliver oder seine „Zeugen“ macht oder gemacht haben. Die Charaktere wirken allesamt authentisch, real, wie ein Nachbar oder Bekannter. Die Erzählweise ist erfrischend. Wir werden nicht mit nutzlosen Details erschlagen, alles beschränkt sich auf das wirklich wichtige. Teilweise hatte ich auch den Eindruck eine gut recherchierte Geisterdoku mitzuverfolgen, als würde ich gerade einen interessanten YouTube-Kanal gefunden haben, der mich mit dem füttert, was mich interessiert: Übersinnliches, Geister, Spuk. Perfekt.

Zugegeben. Auch „S3“ von Oliver Susami hat mich nicht vor Angst schlottern lassen und ich werde auch ruhig schlafen können und noch viele Bibliotheken in meinem Leben besuchen – und wenn die dann Keller haben werde ich mit Freuden hinunter steigen. Aber es gab die ein oder andere Stelle bei der ich dachte: Wow, ja, ja genau so stelle ich mir das vor. Die Ereignisberichte sind realistisch, nichts, von dem man denkt es entspringe einer lebhaften Fantasie. Wir haben hier einen Tatsachenbericht, der sich mit Fakten und Zeugen rational auseinandersetzt. (Spoiler: Bis wir zum Ende kommen und der gute Oliver Susami endlich auch etwas übersinnliches erfährt.)

Herr Voland

Kurzer Einblick in das nächste Buch
Titel: „Wer ist Jeffrey Dahmer – Das schockierende Portrait des Milwaukee-Mörders“
Autor: Robert J. Dvorchak und Lisa Holewa
Klappentext:
„Mit seiner Verurteilung im Februar 1992 ging einer der schaurigsten Prozesse der amerikanischen Rechtsgeschichte zu Ende: Jeffrey Dahmer hatte die Ermordung und grausame Zerstücklung von siebzehn jungen Männern gestanden. Bei seiner Verhaftung waren im Kühlschrank seines Apartments mehrere Schädel entdeckt worden.
Jeffrey Dahmer ist verurteilt, aber der Fall hinterlässt viele Fragen:
Wer ist dieser Mann, der auf die meisten seiner Opfer harmlos, ja nett wirkte?
Was trieb Dahmer zu seinen unfassbaren Taten an?
Warum hat die Polizei ihn – trotz zahlreicher Verdachtsmomente – nicht schon lange vorher gestoppt?
Robert J. Dvorchak und Lisa Holewa, zwei der angesehensten Reporter Amerikas, durchleuchten den Fall Dahmer, seine psychologischen Verästelungen und politischen Folgen.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s