„Ein Jucken spür‘ ich, ganz verstohlen. Das Böse kommt auf leisen Sohlen“

Eckdaten
Titel: „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“
Autor: Ray Bradbury
Verlag: Diogenes Verlag
Erscheinungsjahr: Vorliegende Ausgabe aus 1981, erstmalig erschienen in 1962
ISBN: 978-3-257-20866-5
Preis: 9,90€

1395850_888191937859798_7522540521340857564_n

 

Ich hatte schon öfter ein Buch von Ray Bradbury in den Händen und war immer fasziniert von seiner Art mit Worten und Beschreibungen zu spielen. In „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ beweist er sein Geschick mal wieder und lässt mich in eine Welt abtauchen, die einem Tim Burton Film ähnelt.

Ganz kurz zur Story:
Die Jungen William und Jim beobachten des nachts, wie ein schwarzer Zirkus in ihre Stadt kommt. Bereits das Aufbauen des Zeltes gruselt sie und lässt nichts Gutes erahnen. Die Schausteller und Artisten sind allesamt Schreckensgestalten. Da hätten wir beispielsweise ein wandelndes Skelett, eine Staubhexe und später auch Mr.Elektriko. Die Besitzer Mr.Dark und Mr.Cooger beweisen bereits bei ihrem ersten Auftreten, dass mit ihnen nicht zu spaßen ist. Mr.Dark – der Illustrierte Mann – wirkt auf mich wie eine Art Teufel oder Dämon, Mr.Cooger wie ein schrecklicher Gehilfe, der unglaublich stark und erbarmungslos ist.
Mr.Dark besitzt ein Karussell, das besondere Kräfte hat. Fährt man darauf vorwärts altert man bei jeder Runde um ein Jahr. Fährt man rückwärts verliert man mit jeder Runde ein Jahr. Jim ist fasziniert, Will eher entsetzt.
Nachdem die beiden Jungen beobachten, wie Mr.Cooger auf dem Karussell ungewollt immer älter und älter wird und fast stirbt sind sie auf der Flucht vor den Zirkusleuten. Mr.Dark ist ihnen auf den Versen und hat seine Armee Schreckensgestalten im Rücken…

Ray Bradbury fasziniert mich in „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ mit seinem Talent Menschen (oder vermeintliche Menschen) zu beschreiben und Situationen so realistisch wie nur irgend möglich darzulegen, obwohl sie einem abwegig erscheinen. So haben wir bereits beim Aufbau des Zirkuszeltes ein unwirkliches und doch wirkliches Bild vor Augen. Wenn die Planen durch den schwarzen Himmel segeln und die Wagen praktisch zum Leben erwachen haben wir das Gefühl in einem Tim Burton Film gelandet zu sein. Und das hört nicht auf.
Persönlich sehr angetan war ich von der Beschreibung des Mr.Dark, der gleich zu meinem Lieblingscharakter avanciert ist. Eventuell sollte ich mir mal Gedanken darum machen, wieso mir ausgerechnet immer die bösen Antagonisten gefallen, die Ähnlichkeiten mit der Personifizierung des Teufels haben. Aber dazu irgendwann einmal mehr.
„Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ ist kein neues Werk, ist dennoch ein modernes Buch, eine niemals alte Geschichte und weckt auch aktuelle Ängste. Wer hat nicht schon einmal daran gedacht entweder das ein oder andere Jahr überspringen zu können? Oder gerne noch einmal Kind sein? Alles ist möglich, wenn man sich an Mr.Dark wendet und gleich dabei noch seine Seele los werden möchte. Gar kein Problem. Verärgert man den guten Mann jedoch muss man mit seinem Zorn leben und das eigene Portrait landet eintätowiert auf seinen Handflächen, wird zu seiner Marionette.
Zum Glück gibt es Väter, die viel wissen und immer mehr wissen wollen und ihren Söhnen noch glauben. So auch Charles Holloway, der seinem Sohn Will die Geschichte vom schrecklichen Zirkus und Mr.Dark abkauft, der weiß, wie sich die Jungen fühlen und versucht sie zu retten, sich dabei selbst in aller größte Gefahr bringt und alles aufs Spiel setzt. (Spoiler: Und schlussendlich mit einem Lachen im Gesicht siegt. Wortwörtlich.)

Kurzum „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ ist ein Horrorroman der etwas anderen Sorte und sollte gelesen werden, wenn man in eine abstrakte Welt der Zirkusleute, Übersinnlichkeiten und und Horrorvorstellungen tauchen möchte. Bradburys Geschick mit Worten umzugehen, perfekt zu beschreiben und einem Bilder in den Kopf zu setzen, die wir nicht mehr so schnell los werden macht den Roman noch vielschichtiger, einprägsamer, lesenswerter.
Ich bin jedenfalls großer Fan und rechne fest damit diese Geschichte noch sehr oft zu lesen.

Herr Voland

Kurzer Einblick in das nächste Buch
Titel: „S3“
Autor: Oliver Susami
Klappentext:
„Anfang Februar 2008 erzählte mir eine Mitstudentin, ihr sei im Untergeschoss der Universitätsbibliothek, im Buchbereich S3, etwas Unheimliches passiert.
Schon zuvor hatte ich von unerklärlichen Ereignissen in diesem Bereich gehört.
Ich entschloss mich, eine Art „Untersuchung“ zu S3 zu machen. Ich wollte herausfinden, was es mit diesem Bereich auf sich hat.

Zwischen Februar und April 2008 führte ich mehrere Interviews mit Studenten und Mitarbeitern der Bibliothek, sammelte Berichte unheimlicher, unerklärlicher Erlebnisse. Auch verbrachte ich viele Abende alleine auf S3. Es herrscht eine unheimliche Atmosphäre da unten. Es ist dunkler als in anderen Bereichen der Bibliothek, mir kommt es auch kälter vor. Und gerade abends ist es sehr ruhig, stundenlang keine Geräusche. Als gebe es keine anderen Menschen mehr, als wäre man allein auf der Welt.

Mitte April 2008 begann ich von S3 zu träumen. Unter dem Eindruck eines Albtraums entschloss ich mich, keine Interviews mehr zu führen und keine Zeit mehr auf S3 zu verbringen.
Ich wollte Abstand gewinnen.
Doch die Sache ließ mich nicht los. Mittlerweile war ich mir sicher, dass dort unten etwas vor sich geht, etwas Übernatürliches. Es kann einfach nicht sein, dass alle, mit denen ich sprach, mich angelogen haben, dass sich alle Geschichten nur ausgedacht haben. Ich musste wissen, was es mit S3 auf sich hat.

Ende April 2008 verbrachte ich drei Nächte im Untergeschoss der Bibliothek. Seit der dritten Nacht betrete ich S3 nicht mehr.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s