Welcher Geist?

Ich liebe Geistergeschichten. Als ich vor ein paar Wochen im hiesigen Bücherladen geschmökert habe und eventuell unterbewusst besonders nach gruseligen Romanen Ausschau gehalten habe fiel mir Richard Laymons „Der Geist“ in die Hände. Der Klapptentext hörte sich wirklich gut an. Ich selbst besitze ein Ouija-Brett und jeder, der auch eines zu Hause hat kann wohl bestätigen, dass man mit diesen Dingern nicht spielen sollte. Okkultismus, Geisterbeschwörung, etc. sind ernst zu nehmende Themen.
Ich war also wirklich gespannt dieses Buch zu lesen.

Eckdaten
Titel: „Der Geist“
Autor: Richard Laymon
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungsjahr: 2014 (deutschsprachige Erstausgabe); englisches Original aus 1991
ISBN: 978-3-453-67649-7
Preis: 9,99€

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Um ehrlich zu sein weiß ich nicht, wie ich anfangen soll. In einigen vorigen Beiträgen habe ich bereits erwähnt, dass ich gerne Gruselgeschichten lese und besonders die um Geister und Dämonen haben es mir sehr angetan. Ich bin immer wieder auf der Suche nach dem Horrorschocker, der mich um den Schlaf bringt und in jeder dunklen Ecke eine Schauergestalt vermuten lässt. Daher ziehen mich meine Streifzüge durch Bücherläden und Bibliotheken immer wie automatisch in die Spannungsecken.
„Der Geist“ von Richard Laymon schien mir eine wunderbare und abwechslungsreiche Lektüre zu sein. Im Klappentext wurden Studenten, ein Ouija-Brett und ein Schatz erwähnt. Gut. Auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt die ideale Storyline für einen echten Gruselroman, aber beim Begriff „Oujia-Brett“ wurde ich hellhörig. Wie bereits oben genannt bin auch ich im Besitz eines solchen Gegenstandes und weiß, dass man mit diesen Brettern nicht leichtfertig umgehen sollte. Studenten, die dieses Brett auf einer Party benutzen wirkten auf mich also wie ideale Opfer eines bösen Geistes, der seine Spielchen mit ihnen treiben wollte. Zunächst scheint auch genau das zu passieren. Der Geist bringt die weibliche Protagonisten dazu ihre Oberteile auszuziehen, was die männlichen Mitstudenten, insbesondere einen gewissen Howard, sehr zukommt. Der Geist verspricht den Studenten einen Schatz, den sie in den Bergen finden sollen und kurzum beschließt die Truppe in der gleichen Nacht noch aufzubrechen. Sehr zum Missfallen der Dozentin in dessen Haus die Studenten mit dem Geist Kontakt aufgenommen haben und der auch das Ouija-Brett gehört. Die Dozentin bekommt außerdem in der selben Nacht noch Besuch vom Bruder ihres verstorbenen Mannes, der natürlich schon von Anfang an in sie verliebt war – und sie selbstverständlich auch in ihn. Die beiden kennen die Gefahren des „Hexenbrettes“ und verfolgen die junge Truppe in die Berge.
Dort werden die Studenten von einem Bodybuilder im Ledertanga angegriffen, der sich auch in den folgenden Stunden nach und nach die weiblichen Studenten schnappen will. Er wird jedoch immer wieder daran gehindert. Während einer weiteren Seance bekommen die jungen Erwachsenen – die sich mehr wie pubertierende Teenager verhalten – weitere Instruktionen, wo sie den Schatz des Geistes, der sich Butler nennt, finden können. In einer verlassenen Mine stoßen sie schließlich auf ein Skelett, das sich später als Butler entpuppt, der obendrein die Mutter einer der Studentinnen ist, und auf eine Sammlung an Höschen, die der Bodybuilder zusammen geklaubt hat.
Gekrönt wird das ganze durch die wohl herzzerreißende Geschichte von der Studentin Angela – „Butlers“ Tochter – die jahrelang von ihrem Stiefvater und dessen Söhne und hinterher noch von einem perversen Alten sexuell missbraucht wurde. Das alles hindert die Gute aber nicht im geringsten ein Verhältnis mit dem notgeilen Howard anzufangen, der gefühlt auf jeder Seite einen Blick auf ihren BH werfen kann.
Das Ende kommt so plötzlich, dass es völlig fehl am Platz erscheint. Die Studenten werden bei der vermeintlichen „Bergung“ des Schatzes aus einem Bus von den früheren Peinigern Angelas erschossen. Howard, der zum mutigen Helden wird rettet sie und eine weitere Mitstudentin und tötet die Männer, die sich noch kurz davor an Angela vergreifen.
Nach diesen ganzen Strapazen (die alles entscheidenden Momente und der Tod der meisten Studentin beschränkt sich im Übrigen auf 27 1/2 von insgesamt 489 Seiten…) kommt am Ende natürlich heraus, dass die Jungs und Mädels gar nicht erst in die Berge hätten fahren müssen, um zu ihrem Schatz zu kommen. Der perverse Alte, bei dem Angela lebte, brach sich nach ihrem Aufbruch beim Fallen das Genick und vermachte seiner „Süßen“ sein ganzes Geld. Pech für die Toten.

Im Allgemeinen empfand ich „Der Geist“ als äußerst schwach. Die Geschichte hat sich im Grunde nur um den sexuellen Missbrauch Angelas und Howards Gier nach Höschen und BH´s beschränkt. In fast jedem Kapitel kam es zu sexuellen Handlungen und auf jeder Seite hatte man das Gefühl einen BH zu sehen – oder wenigstens einen nassen Rücken, der bei dem lieben Howard schon für eine Erektion reichte. Der Geist Butler war fast nicht anwesend. Er bzw. sie wurde nur zu Rate gezogen, wenn die verwöhnten Studenten wissen wollten, wo der Schatz lag. Ansonsten glänzte der Geist durch Abwesenheit.
Gruselig war dieses Buch an keiner einzigen Stelle. Von Richard Laymon bin ich sexuelle Praktiken durchaus gewohnt, aber auch einen gewissen Grad an Horror und auch Schockelementen.
Das einzig gute an dem Roman waren die schönen Beschreibungen der Landschaften. Außerdem bin ich doch sehr auf der Seite des „Arschlochs“ Keith gewesen, der mit seinen Sprüchen wenigstens ab und an mal ein leichtes Schmunzeln auf meine Lippen zaubern konnte. Auch Lana war ganz erfrischend und offen gestanden fand ich es schon etwas schade, dass die sexuellen Handlungen auf Howard und Angela und später auf Corie (die Dozentin) und ihren Schwager Chad beschränkt haben. Keith und Lana wären doch ganz nett gewesen.
Ansonsten kann ich den Roman leider nicht empfehlen. Wer etwas über Geister und Ouija-Bretter lesen möchte sollte andere Bücher wählen. Vielleicht finde ich ja mal eines, das mich wirklich packt und mit sich reißt.

Oder aber ich ziehe mein eigenes Oujia-Brett zu Rate und schreibe selbst einen Roman darüber 😉

Herr Voland

Kurzer Einblick in das nächste Buch
Titel: „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“
Autor: Ray Bradbury
Klappentext:
„Zwei neugierige Jungen, die das Verschwinden eines Mannes aufzuklären versuchen, entdecken das dunkle Geheimnis eines Karussells, in dem auf zerstörerische Weise in das Leben der Fahrgäste eingreifen wird. Ihre Entdeckung bleibt nicht unbemerkt: Auf leisen Sohlen, aber unerbittlich werden die Jungen vom Bösen verfolgt und in die Enge getrieben.“

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