Und Kühe lieben ihn

Ich hatte noch ein paar Minuten bis meine Bahn kam. Die paar Minuten verbrachte ich natürlich im Buchladen am Hauptbahnhof und da sprang mir dieses Cover in die Augen. Dazu die ergreifenden Worte auf der Rückseite: „Er ist aus Holz. Er kocht einen exzellenten Eintopf. Und Kühe lieben ihn.“ Und schon war es um mich geschehen…

Die Eckdaten
Autor: Michael Poore
Titel: Der raffinierte Mr.Scratch
Verlag: Die deutsche Ausgabe erschien im Bastei Lübbe AG Verlag
Erscheinungsjahr: Original: 2012; vorliegende Ausgabe stammt aus 2014
ISBN: 978-3-7857-6101-4
Preis: 16,99€

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Eine kurze Zusammenfassung
Jeder weiß, dass der Teufel Amerikaner ist. Und das stimmt auch. John Scratch, aus dem Himmel verbannt und von Liebe zerfressen fristet sein Dasein auf der Erde. Führt uns durch die amerikanische Geschichte von den ersten Pilgern in New England, über Benjamin Franklin zu George Washington, John F. Kennedy und zu 9/11. Der Teufel nennt sich John Scratch, kokst kifft, landet mit Frauen im Bett und wickelt Geschäfte ab. Er erfüllt Menschen ihre Träume, doch wer die Bedingungen nicht einhält ist weg vom Fenster. Dennoch ist John Scratch verzweifelt. Er liebt Arden, einen Engel, will sie unbedingt auf der Erde halten und mit ihr glücklich werden. Aber die Erde ist schlecht, kein Ort für einen Engel. Aber der Teufel wäre nicht der Teufel, wenn er nicht alles versuchen würde – und wenn er nicht viele gemeine Dinge tun würde.

Lesbarkeit
Die meisten Kapitel sind relativ kurz gehalten. Dank einer Zwischenüberrschrift weiß man in welche Epoche man sich nun begibt. Sei es nun das 13., das 17. oder 21. Jahrhundert. Der Plot wird um einige Flashbacks herum aufgebaut, die uns zeigen wo und wann der Teufel alias John Scratch tätig war. Wir kehren dennoch immer zu der eigentlich Geschichte um die drei Nebencharaktere Memory Jones, Big Zach und Fish zurück, die sich auf einen Deal mit dem Teufel eingelassen haben, um ihre Lebensträume zu erfüllen. Memory, die unbedingt berühmt werden will, Fish, der unglaublich reich werden will und Zach, der die Welt verändern will. Drei Träume, die wohl jeder von uns kennt und gut nachvollziehen kann. Mittels dieser Wünsche laufen wir durch die Zeit, von Woodstock bis ins Jahr 2005, erleben die Geburt des Internets und der Computerspiele. Alles ein reiner Teufelspakt.

Humor
Jedes Kapitel strotzt vor Humor. Besonders oft erleben wir den Teufel, wie sollte es anders sein, sarkastisch und ironisch. Aber auch in traurigen und sehr emotionalen Situationen kann John nicht anders als wenigstens einen Spruch zu bringen.
Der Teufel bekommt Paroli, muss mit Niederlagen fertig werden und steht nicht selten mit dem Rücken zur Wand. Wir lernen ihn auf einer völlig neuen Art und Weise kennen. Wir haben keinen düsteren Gruftitypen, der in schwarzem Ledermantel durch die Gegend läuft, in einem Flammenmeer erscheint oder von Dämonen begleitet wird. Er raucht Rotkehlchen oder Eichhörnchen, lässt sich mit Frauen ein und fällt auf die Nase, pisst sich sogar mal vor Angst ein. In jedem Kapitel gibt es auf jeden Fall etwas zu lachen und wer ein Freund von Ironie, Sarkasmus und schwarzem Humor ist hat mit diesem Buch einen Glücksgriff gelandet.

Spannung
Im ersten Kapitel wird der Teufel angeschossen, schwebt augenscheinlich in Lebensgefahr und muss sogar Angst vor seiner Geliebten haben. Zum Ende hin erfahren wir wer ihn angeschossen haben, wissen, wie alles zustande gekommen ist und fiebern mit. Zwischenzeitlich wettet der Teufel während einer Schlacht, dass er drei Tage ohne seine Unsterblichkeit leben könnte. Eine schlechte Wette. Man erwischt sich, wie man hofft, dass der Teufel überlebt. Denn seien wir mal ehrlich: Eine Welt ohne den Teufel?
Und genau dazu könnte es zum Ende kommen. Er verliert einen Teil seiner Kräfte, wird von Gott selbst gerettet und muss sich entscheiden. Will er zurück in den Himmel? Will er sein Leben weiter auf der Erde verbringen? Und was ist mit Arden?

Erotik
Der Teufel ist ein kleiner Schlawiner. Er liebt Arden, psychisch und physisch. John Scratch hat oft Sex mit Frauen, läuft ihnen sogar hinterher, vergnügt sich im Wasser und unter freiem Himmel. Aber nirgends finden wir eine detaillierte Beschreibung. Und es funktioniert. Schließlich haben wir keinen Shades of Grey Roman vorliegen, sondern einen lustigen und sehr unterhaltsamen Teufelsroman. Dennoch kommt durch die kleinen Szenen überschwänglicher Liebe die Erotik nicht zu kurz. Und am Ende wartet da sogar eine Überraschung.

Inhalt/Story
Wie bereits erwähnt durchläuft John Scratch in diesem Roman die Geschichte Amerikas. Wir erleben, wie der Teufel missmutig die Landung der weißen Bevölkerung verfolgt, sie anfangs sogar verscheuchen will, wie er Benjamin Franklin zu einer seiner bekanntesten Erfindungen verholfen hat. Und doch verlieren wir niemals die eigentliche Geschichte um Memory, Zach und Fish aus de Augen und kommen immer wieder zu ihnen zurück. Schließlich sind die drei die Angelpunkte um das Weiterleben des Teufels. Es bleibt bis zum Ende spannend und die drei sind für viele Überraschungen gut.

Nachhaltigkeit
Der Roman ist modern geschrieben und durch die Rückblicke in die Vergangenheit macht die ganze Geschichte recht zeitlos. Klar, ein absoluter Klassiker wird der Roman sicherlich nicht, aber ich für meinen Teil werde ihn sicherlich irgendwann noch einmal oder sogar zweimal lesen, weil ich einfach fasziniert von John Scratch bin. Wir haben es hier jedenfalls mit einem Teufelsroman zu tun, der sich mehr als lohnt und in einigen Jahren auch noch ruhigen Gewissens zur Hand genommen werden kann. John Scratch wird mir in den nächsten Wochen nicht mehr aus dem Kopf gehen und ich wünsche mir mehr solcher Bücher, die sich mit dem Teufel als lustigen und teils auch menschlichen Charakter beschäftigen.

Sprach/Stil/Ästhetik
Wie bereits erwähnt sind die Kapitel relativ kurz. Die Sprache ist sehr angenehm, leicht verständlich und spielt mit Wortwitz und Ironie. Je nach Epoche schwankt die Sprache selbstredend, bleibt im Wesentlichen aber stabil und modern. Kurze Sätze erzeugen an den richtigen Stellen Spannung, Beschreibungen bringen Details, die einen in das Geschehen noch stärker einbringen. Wir haben keine derbe Sprache, sie bleibt auf einem sehr guten Niveau, trotz Schimpfwörter, die einfach dazu gehören. Michael Poore hat sich sehr gut auf seinen Roman vorbereitet. Er hat Ahnung von der Materie, die er einbringt und das erleichtert den Lesefluss deutlich.

Fazit
„Der raffinierte Mr.Scratch“ wird seiner adjektivischen Beschreibung vollkommen gerecht. Er ist raffiniert, weiß seine Karten auszulegen und richtig zu spielen. John Scratch hat sich als Teufel entpuppt, dem ich schrecklich gerne einmal begegnen würde und mich in seinen Bahn gezogen hat. Ich werde den Roman auf jeden Fall noch einmal lesen und er hat es vollkommen zurecht in meine Favoritenliste geschafft. Ich kann „Der raffinierte Mr.Scratch“ jedem ans Herz legen, der lachen möchte und die amerikanische Geschichte und den Teufel mal von einer anderen Seite kennen lernen möchte. Michael Poore hat einen Roman vollkommen nach meinem Geschmack erschaffen und ich freue mich mehr von ihm lesen zu können. Vielleicht gibt es ja mal ein Wiedersehen mit dem Teufel.

Kurzer Einblick
Titel: Return Man
Autor: V.M. Zito
Klappentext:
„Der Letzte macht das Licht aus – für immer.
Die Apokalypse ist da. Eine Zombie-Infektion hat sich epidemieartig über den ganzen Westen der USA ausgebreitet. Die Überlebenden haben sich in den Osten gerettet, in die sicheren Staaten von Amerika, während im Westen die Zombies Jagd auf die Menschen machen. Nur ein Mann ist dort geblieben, um im Auftrag der Lebenden den Untoten die letzte Ruhe zu geben: Henry Marco. Dies ist seine Geschichte…“

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