Welttag der Poesie

Meine lieben Freunde,

heute ist der „Welttag der Poesie“. Eigentlich hatte ich vor hier nun mein Lieblingsgedicht aufzuschreiben („Der Rabe“ von Edgar Allan Poe), aber zum einen wäre das jetzt doch ein wenig zu lang und zum anderen habe ich das schon an Poes Geburtstag hier gepostet (scrollt einfach mal runter). Deswegen möchte ich euch heute mein zweit liebstes Gedicht vorstellen.

Vorher möchte ich aber noch ein paar Worte über den „Welttag der Poesie“ schreiben.
Die meisten Vertreter meiner Generation und auch die darunter lesen keine Gedicht mehr. Weil sie „uncool“, „total altmodisch“ oder „langweilig“ sind. Der Meinung bin ich nicht. Fast jeder sollte im Deutschunterricht auf Gedichte aufmerksam gemacht worden sein und ich gebe es auch zu, die meisten, die man dort behandelt sind nicht gerade spannend. Aber das sollte einen nicht abschrecken mal selber etwas zu recherchieren. Es gibt so viele unterschiedliche Gedichtformen (sei es nun eine Ballade, ein Epigramm, eine Ode, ein Sonett, eine Hymne, etc.) und wenn man es sich genauer überlegt hat jeder von uns mindestens ein Lieblingsgedicht. Denn Lieder sind die ursprünglichste und einfachste Form des Gedichts und ich möchte einfach mal behaupten, dass jeder von uns ein Lieblingslied hat. Egal, ob nun Oasis, Justin Bieber, Metallica, Eminem oder Rihanna. Jedes Lied gehört zur Gattung der Lyrik und ist somit eine Art Gedicht.
Dennoch sollte auch jeder einmal zu den „herkömmlichen“ Gedichten greifen. Diese Welt besteht nicht nur aus Goethe, Schiller, Shakespeare oder Rilke.
Googelt doch einfach mal Berthold Brecht, Clemens Brentano, Joseph Freiherr von Eichendorff, Theodor Fontane, Wilhelm Hauff, Heinrich Heine, Heinrich von Kleist, Gotthold Ephraim Lessing, Detlev von Liliencorn, Eduard Mörike, Wilhelm Raabe, Kurt Tucholsky oder Ludwig Uhland. Und wer sich vielleicht ein paar Dichter des 21.Jahrhunderts ansehen möchte wird hier fündig: http://gedichte.xbib.de/2012,2,1,1.htm (dort kann man sich übrigens auch über die „älteren Herren“ schlau machen).
Ich garantiere euch ihr werdet bei mindestens einem fündig und findet ein Gedicht, das wirklich zu euch passt. Sei es nun eines klassischen Vertreters oder aus neuerer Zeit. Ihr solltet euch nur Zeit nehmen und nicht beim ersten vielleicht nicht so spannendem Gedicht aufgeben, weil euch das ganze Thema zu „langweilig“ oder „uncool“ erscheint. Wenn ihr euch mit einer Gattung selbst beschäftigt werdet ihr viel mehr Schichten finden als beispielsweise im Deutschunterricht. Ihr müsst nicht analysieren oder interpretieren, das Reimschema kann euch vollkommen egal sein. Lest euch einzelne Gedichte einfach selbst ganz in Ruhe vor, laut oder in Gedanken, lasst die Stimmung auf euch wirken und fallt in eine wunderbare Fantasiewelt. Poesie kann so viel mehr, als nur Jambus, Trochäus, Anapher und rhetorische Mittel sein. Die Welt der Poesie kann ebenso aufregend und tief wie die der Dramatik oder Prosa sein, ihr müsst es nur zulassen und unvoreingenommen an die ganze Sache heran gehen.

Nun habe ich euch aber genug vollgequatscht und es wir Zeit für mein zweit liebstes Gedicht. Dieses stammt nicht aus der Feder Poes, sondern aus der Hermann Hesses.
Hermann Karl Hesse (1877-1962) war nicht nur Dichter, sondern auch Schriftsteller und Maler. Ein paar von euch werden vielleicht „Siddhartha“ oder „Der Steppenwolf“ bekannt sein (und wenn nicht, solltet ihr euch diese Werke wirklich mal anschauen), seine berühmetesten Prosawerke. 1962 wurde Hesse sogar mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet (für sein Gesamtwerk). Seine Lyrik lässt sich der Romantik zuordnen, spielt also sehr mit der Natur, Träumen, Metaphern und dem Spiel zwischen Tag und Nacht.
Das Gedicht, das ich euch jetzt vorstellen werde, heißt „Im Nebel“ und erscheint auf dem ersten Blick vielleicht ein wenig düster (aber auch das ist Teil der Romantik).

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hermann Hesse mit Buch in der Hand-1208

https://www.hermann-hesse.de/archiv/2011/11/29/calw-plant-f%C3%BCr-das-hesse-jahr-2012

Hermann Hesse ist übrigens seit nun ca. 100 Jahren der meistgelesene europäische Dichter in den USA und in Japan. Seine Werke wurden in 40 Sprachen übersetzt.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen wunderschönen Freitag und einen produktiven „Welttag der Poesie“.

Mansonian

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