Stephen Kings kleiner Horrortanz

Die Eckdaten
Autor: Stephen King
Titel: Danse Macabre – Die Welt des Horrors
Verlag: Die deutsche Ausgabe erschien im Heyne Verlag
Erscheinungsjahr: Original 1981; vorliegende Ausgabe stammt aus 2011
ISBN: 978-3-453-43573-5
Preis: 11,99€

1902881_744452228900437_1577366506_n

 

Eine kurze Zusammenfassung
King führt uns auf und in die Tanzfläche eines gewaltigen Themengebietes. Mit geschickten Schritten und gekonnten Drehungen lassen wir uns in einen Zeitstrahl fallen, der uns ausgewählte Horrorfilme und -literatur zwischen 1950 und 1980 zeigt, die auf ihren Kern hin untersucht werden. Nicht nur die Veränderungen der einzelnen Genres – Horror, Fantasy und vereinzelt Science-Fiction – kommen zu Wort, sondern auch die Autoren und Filmemacher, die King sprechen lässt und teilweise mit lustigen Anekdoten aus seinem eigenen Leben kommentiert. Wir werden auf interessante Kleinigkeiten in einzelnen Filmen aufmerksam gemacht, bekommen ein Gespür für die 50er und 60er Jahre und tanzen in wilden Figuren durch die schauerlichsten und fantasievollsten Werke, die uns King für diese kleine Party heraus gesucht hat.
So manches Werk erkennen wir wieder. Hab den ein oder anderen Film im Regal stehen und das ein oder andere Buch gelesen. Aber wir werden auch auf nicht so bekannte Autoren aufmerksam gemacht, werden bombardiert mit Film- und Buchtiteln, die wir vielleicht kennen, aber bis dato keine besondere Beachtung geschenkt haben. Wir treffen auf alte Bekannte des Genres wie beispielsweise Poe, H.P. Lovecraft, Mary Shelley oder Bram Stoker, die kurz angeschnitten werden. Aber die größte Beachtung schenkt King denen, die aus diesen brillanten Vorlagen ihre eigene fantasievolle Welt geschaffen haben. Ramsey, Bradbury, Levin, Siddons, Campbell, etc.

Lesbarkeit
Zuerst einmal sollten wir vielleicht klarstellen, dass es sich bei Danse Macabre nicht um einen Roman handelt. Dennoch haben wir als Protagonisten – so möchte ich jedenfalls behaupten – die Fantasie und den Horror in jedem von uns. Der Antagonist könnte das Erwachsenwerden sein.
King gliedert sein Werk in unterschiedliche Abschnitte, beispielsweise widmet er dem Radio und den dazugehörigen Horrorhörspielen ein Kapitel. Filme und Literatur nehmen natürlich den größten Teil ein.
Indem King nicht einfach platt die Jahre abklappert und die ganzen Horrorwerke – ob nun Buch oder Leinwand – Revue passieren lässt, sondern explizit auswählt und nur für ihn besonders Wichtiges heraussucht entwickelt sich eine interessante Geschichte über den Werdegang des Horrors und unserer Auffassung von Horror. Auch seine Einschübe und Fußnoten lockern die ganze Tanzfläche auf und man wird an einigen Stellen geschickt durch die Luft gewirbelt.

Humor
Horror und Humor lassen sich für manch einen vielleicht schlecht verbinden, aber wer schon einiges von King gelesen hat weiß, dass dieser Herr dazu in der Lage ist. Indem er seinen Tanzpartner oft anspricht und sogar teilweise tadelt – man solle beispielsweise bloß niemals die letzten Seiten eines Buches zuerst lesen oder Eselsohren in die Seiten knicken – zaubert er einem ein Lächeln ins Gesicht, manchmal sogar ein schadenfreudiges Grinsen, wenn er über einen Autoren schreibt, der sein Genre definitiv verfehlt hat.
Wenn er anfangs über die Filme spricht kommt nicht selten der Reißverschluss am Kostüm zur Sprache oder die eindeutig unechten Kulissen. Auch die kleinen Anekdoten aus seinem eigenen Leben – besonders gerne aus seiner Kindheit – halten einen Lacher oder wenigstens ein kleines Schmunzeln bereit.

Spannung
Die Spannung lässt sich in diesem Fall schwer beurteilen, da wir es bei Danse Macabre nicht mit einem Roman zu tun haben. Aber King verseht es an manchen Stellen wirklich für Spannung zu sorgen, indem er beispielsweise ab und an eine Textzeile aus einem Buch übernimmt über welches er gerade schreibt und uns etwas auf die Folter spannt wo seiner Meinung nach nun schlussendlich des Pudels Kern verborgen ist.
Dennoch bleibt das Thema schwierig.

Erotik
An manchen Stellen ist es einfach unumgänglich auf die erotische Seite der Horrorliteratur und -filmwelt einzugehen. Da nennt King beispielsweise die frühen E.C. Comiccover oder die Groschenromantitelseiten auf denen nicht selten eine spärlich bekleidete Schönheit auf dem Boden liegt und von einem eindeutig männlichen Monster angegriffen wird. Dann gibt es Frauen, die durch perfekte – und oftmals proportional ergänzte – Roboter ersetzt werden, kleine Männer, die mit einem Stecknadel eine schwarze Witwe pfählen, usw.usw.usw.
King kommt an ein paar Stellen unseres Tanzes mit dieser Drehung.

Inhalt/Story
Wie bereits erwähnt möchte King in Danse Macabre einen kleinen Überblick über den Werdegang des Horrors zwischen den 1950ern und 1980ern geben. Er betont auch des öfteren, dass er nur einen Überblick geben kann und nicht alles behandeln möchte, weil das aus seiner Sicht eine vollkommen unnötige Arbeit wäre. Durch seine Auswahl gestaltet sich der ganze Inhalt als angenehme Masse und lässt sich in flinken Schrittfolgen auf das Parkett bringen. Wir haben am Ende ein fundiertes Wissen über Horror und Fantasy erlangt, können vielleicht ein paar neue Bücher auf unserer „Möchte ich gerne lesen“-Liste vermerken (auf meiner sind es übrigens neun) und gehen mit einem zufriedenen Bauchgefühl und garantierter Lust auf mehr von der Tanzfläche.

Nachhaltigkeit
Zugegeben, dieser Tanz mag alt und verstaubt vorkommen, da King nur die Horrorfilme und -literatur von 1950 bis 1980 untersucht und dabei vielleicht den ein oder anderen neuen tollen Horrorfilm außer acht lässt, aber das ist nun einmal so. Jeder aufrichtige Horrorfilmfan fühlt sich nicht gekränkt, weil Paranormal Activity oder die neuen Saw Teile fehlen; nein, er ist vielleicht auch ganz glücklich darüber. Zwischen 1950 und 1980 kamen einige wunderbare Filme in die Kinos wie beispielsweise The Blair Witch Project, Der weiße Hai, Alien, Die Vögel oder Dawn of the Dead, und sie alle kommen zur Sprache und dürfen selbst einmal das Tanzbein schwingen. Erst zum Ende hin merkt man eigentlich wie viele dieser wunderbaren Filme und Bücher schon so „alt“ sind.

Sprache/Stil/Ästhetik
Wer King kennt weiß wie er schreibt. In Danse Macabre ist es kaum anders. Wir haben eine offene und direkte Sprache, die an manchen Stellen zwar nur so vor Fachbegriffen trotzt, die aber den meisten Lesern eigentlich bekannt sein sollten. Wer zum Ende hin den Unterschied zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos nicht verstanden hat ist meines Erachtens jedenfalls selbst Schuld. Das einzige, was mich teilweise gestört hat ist, dass vom Übersetzer einige Buch- und Filmtitel in Klammern übersetzt wurden (einmal ist das ja vollkommen okay, aber wenn ein Titel immer und immer wieder übersetzt wird, obwohl er auch im deutschsprachigen Raum eher unter seinem englischen Titel bekannt ist muss das nicht sein).

Fazit
Meiner Meinung nach legt King mit uns einen wirklichen interessanten Tanz in Danse Macabre hin, der sich durch wirklich wichtige und herausragende Werke des Horrors dreht. Wer vielleicht wissen möchte, was King über seinen/ihre Lieblingshorrorautor denkt oder ob er von dem eigenen persönlichen liebsten Horrorfilm auch so überzeugt ist liegt nicht falsch daran das Buch zu lesen. Wer außerdem noch ein bisschen Lesestoff sucht und nicht weiß welchen Horrorroman man sich wirklich zulegen sollte wird hier auch fündig.
Ich persönlich habe mir das Buch zugelegt, weil mich Kings Meinung über den Themenbereich des Horrors interessiert hat, was ihn vielleicht dazu bewegt in diesem Genre zu schreiben und welche Bücher man gelesen und welche Filme man gesehen haben muss. Außerdem war es eine wirklich lohnenswerte Sachlektüre für meinen eigenen Roman. Ich habe einige tolle Ideen für Kurzgeschichten gefunden und auch den ein oder anderen Kniff für das Großprojekt.
Alles in allem also eine empfehlenswerte Lektüre für den Horror- und Fanatsyfan.

Kurzer Einblick
Hier also nun der kurze Einblick über das Buch, das ich als nächstes zu Hause lesen werde.
Titel: In einer kleinen Stadt – Needful Things
Autor: Stephen King
Klappentext:
„Eine kleine Stadt gerät außer Kontrolle.
Leland Gaunt, ein mysteriöser Fremder, eröffnet in Castle Rock einen kleinen Laden mit dem Namen „Needful Things“, in dem jeder das bekommen kann, wovon er schon lange träumt. Doch alles hat seinen Preis – und Gaunt bestimmt ihn, denn er kennt die verborgenen Sehnsüchte und Schwächen jedes Einzelnen. Der Albtraum beginnt…“

Advertisements

Ein Gedanke zu “Stephen Kings kleiner Horrortanz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s